68. Jahrgang

Auktionsberichte

Berühmter "Hawaii-Missionar" bei Harald Rauhut


20.07.2010 | Sie gehören zu den berühmtesten klassischen Marken-Raritäten: die "Hawaii-Missionare". Die 2-Cents-Marke der ersten Freimarkenausgabe von Hawaii wird in einem Atemzug mit der "Roten Mauritius" genannt. Kein Wunder, dass man schon im vorletzten Jahrhundert hinter den "Missionaren" her war. 1892 wurde in Paris sogar ein Besitzer ermordet, weil ein anderer Sammler nach seinem "Missionar" gierte.


Angebote der ungezähnten Welt-Raritäten sind selten, und so verdient es besondere Aufmerk­samkeit, dass Harald Rauhut auf seiner 129. Auktion am 27. und 28. August ein Exemplar der 13 Cents ausrufen kann, dass sich auch noch durch eine ungewöhnlich gute Erhaltung auszeichnet!

Der Sammler war der Mörder

Um den 1. Oktober 1851 herum gab der Postmeister von Hawaii, Henry M. Whitney, in Honolulu drei Marken zu 2, 5 und 13 Cents heraus, die im No­vember 1852 um einen etwas umgestalteten 13-Cents-Wert ergänzt wur­den (MiNr. 1-4). Es waren die ersten Frei­marken des Königreichs Hawaii, die fünf Jahre in Gebrauch blieben und bei denen sich jeweils zwei Typen, erkennbar an der Stellung des "P" von "Postage", unterscheiden lassen. Der 2-Cents-Wert war für Post auf Hawaii und die sogenannte Kapitäns-Gebühr für die Beförderung auf Schiffen ge­dacht, die 5 Cents für den Portoanteil Hawaiis auf Post in und aus anderen Ländern. Der Portostufe zu 13 Cent er­gab sich aus der Kombination von Ka­pitäns-Gebühr (2 Cents), dem ha­wai­ischen Portoanteil (5 Cents) und dem transkontinentalen Briefporto in die USA (6 Cents). Diese Zusammen­setzung brachte die geänderte Inschrift auf dem zweiten 13-Cents-Wert (MiNr. 4) auch zum Ausdruck: statt "Hawaiian Postage" ist dort "H.I. & U.S. Postage" zu lesen.

Ihre Bezeichnung "Missionare" verdanken die ersten Marken von Hawaii dem Umstand, dass sie vorwiegend von auf den Inseln von Hawaii lebenden Mis­sionaren auf Briefen verwendet wurden. Die Sammler erfuhren von den recht primitiv aussehenden, blauen Marken in den 60er Jahren des vorletzten Jahrhunderts. Schon bald zeichnete sich ab, dass die 2 Cents die seltenste der vier Marken war. Einer der wenigen Glücklichen, die diese Marke zuerst besaßen, war der bekannte französische Sammler und Geschäftsmann Gaston Leroux, der im Sommer 1892 ermordet in seiner Pariser Wohnung aufgefunden wur­de. Einen Raub­mord konnte die Polizei schnell ausschließen, da die Leiche inmitten von Kostbar­keiten lag. Im Laufe der Un­ter­su­chun­gen mach­ten die Krimi­na­listen eine ge­naue Bestands­aufnahme von den Vermö­gensgegenständen. Ein Polizei­be­amter, der über philatelistische Kennt­nisse verfügte, sah sich dabei die Briefmarken­sammlung des Ermor­deten genauer an. Dabei entdeckte er, dass bei den vielen Seltenheiten von Hawaii ein Feld frei war. Die Spuren deuteten daraufhin, dass von diesem Feld eine Marke entfernt worden war. Die Polizei stellte nun Nachforschungen bei Pa­riser Brief­markenhändlern an und er­fuhr dabei, dass Leroux eine 2 Cents von Hawaii besessen hatte. Und genau diese Marke fehlte in der Sammlung! Weitere Un­tersuchungen führten auf die Spur des Sammler Hector Giroux, der, wie sich nach seiner Verhaftung herausstellte, vergeblich versucht hatte, die 2-Cents-Marke von Leroux zu kaufen oder zu tauschen. Am Schluss sah er nur noch die Möglichkeit, durch einen Mord in den Besitz der philatelistischen Kost­barkeit zu kommen. Viel Freude hatte Giroux daran nicht. Nach seinem Ge­ständnis wurde er zum Tode verurteilt, später zu lebenslanger Haft begnadigt.

Qualitätsstück der 13 Cents

15 Exemplare der 2 Cents, davon nur jeweils eins auf Brief und Briefstück, sind bis heute registriert. Die drei anderen Marken sind etwas häufiger, wenn man das bei 50 oder 60 erhaltenen Stücken überhaupt so sagen kann. Die meisten der berühmten "Hawaii-Mis­sionare" sind allerdings stark beschädigt oder repariert. Eine Folge des dünnen, brüchigen Papiers (Zuckerrohr­pa­pier), auf dem sie hergestellt wurden. Qualitativ gute "Mis­sio­nare", egal welcher Wertstufe, sind also die Aus­nah­me, und genau ein solches Ausnah­mestück kann Harald Rauhut im August für 25 000 Euro ausrufen: eine MiNr. 4 der Type I. In der Losbe­schreibung heißt es: "Frisches und dreiseitig gut gerandetes Exemplar mit Sieben-Strich-Grid-Stempel. Links leicht berührt und winzige Uneben­heiten, wie sie für diese Ausgabe typisch sind. Von den 52 registrierten Exemplaren dieser Marke ist keine einwandfrei. Das vorliegende Stück stammt aus der 1995 bei Siegel versteigerten 'Honolulu Advertiser Col­lection' und erzielte 35 000 US Dollar sowie bei seinem erneuten An­gebot bei Siegel 2007 100 000 Dollar plus Auf­gelder. In der Advertiser-Auf­stellung al­ler damals nur 51 registrierten Stücke sind fast alle mit Mängeln oder meist stärkeren Reparaturen klassifiziert. Le­diglich zwei Exemplare werden in höchster Qualitäts-Kategorie 'Sound' eingeordnet, und das vorliegende Stück ist eines von beiden."

Man darf gespannt sein, zu welchem Preis die klassische Übersee-Rarität - sicher mit internationaler Beachtung - den Besitzer wechselt. Bei dem Ansatz von 25 000 Euro scheint noch Luft nach oben zu sein.

Harald Rauhut kann auf seiner 129. Versteigerung, die am 27. und 28. Au­gust in Mülheim an der Ruhr stattfindet, auch noch andere klassische Pre­tiosen ausrufen, beispielsweise ein groß­artiges Sachsen-Angebot. Von Preu­ßen gibt es bisher unbekannte, meist postfrische Einheiten der ersten Ausgabe. Darüber hinaus locken schöne Brief­stücke mit Lokalausgaben von Mäh­risch-Ostrau 1938 und eine breite Pa­lette deutscher Feldpostmarken aus dem Zweiten Weltkrieg.


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