68. Jahrgang

Auktionsberichte

Briefe waren vor 30 Jahren noch nicht im Trend!


30.08.2010 | Vielen wird der Berliner Auktionator Peter Koegel noch ein Begriff sein. Von 1985 bis 2007 führte er postgeschichtliche Spezialauktionen durch - überwiegend mit deutschem Material und auf Nachkriegs­deutsch­land fokussiert. Ein gutes Auge für interessante, gut erhaltene Belege und der Blick für den "kleinen" Sammler zeichneten ihn aus. Da er immer wieder tolle Stücke an Land ziehen konnte, war die Spannung vor einer Versteigerung jedesmal groß. Was der Sammler Peter Koegel an Berliner Postgeschichte zu bieten hatte, konnten die Leser dieser Zeitschrift immer wieder durch seine Bildvorlagen für Serien oder Ar­tikel erahnen. Nun wird sein Lebenswerk durch das Auktionshaus Heinrich Köhler am 18. September in Berlin versteigert.


"Krönung jeder Sammlung"

"Angefangen hat alles vor knapp 40 Jahren, auf der IBRA in München An­fang der 70er Jahre", erinnert sich Peter Koegel. "Für die Marken­samm­lung Berlin (West) fehlten noch der Wäh­rungsgeschädigtenblock und der Satz. Bei einem ausländischen Händler war noch ein Brief mit eben diesen Marken zu haben, dazu noch eine 10 Pf Bauten verklebt. Und das am letzten Tag dieser großen Ausstellung. Nach finanziellen Klimmzügen war das Geld zusammen, und der Brief wanderte nach Berlin. Nun gingen die Fragen los: Warum diese Frankatur, warum diese Höhe? Fragen konnte man niemanden, Briefe lagen noch nicht im Trend. Die Marken der Sammlung verschwanden, und die Beschäftigung mit Briefen und Post­belegen wurde die Hauptaufgabe." Diese Umstände machten Koegel zu ei­nem Pionier der Berliner Postge­schich­te, der sein über Jahrzehnte angewachsenes Wissen bereitwillig mit Kunden und Sammlerfreunden teilte und teilt.

Im Laufe der Zeit kamen neue Be­rei­che hinzu: Wäh­rungs­re­form, Schwarz- und Rotaufdrucke, die Ber­liner Bau­tenserie, Son­der­mar­ken, Post-, Münz- und Absender­frei­stempel, Barfrei­ma­chung und Post­krieg, dazu die Ganz­­sachen der West­sek­toren. Dabei be­schränk­te er sich im­mer auf die ersten zehn Jahre. Er bevorzugte die portogerechte Be­darfs­ver­wen­dung, die oft erst entdeckt werden musste. Die Sammlung der Ber­liner Westsektoren aus den ersten zehn Jahren wuchs auf fast 60 Bände mit rund 4400 Belegen aller Art an. Koegel ließ andere daran teilhaben, in dem er häufig ausstellte, in Teil­be­reichen bis Rang 1 national, in­ternational auf der London 2000. "Brie­fe sind in allen Be­reichen der Philate­lie die Krönung je­der Sammlung", be­­schreibt er seine Phi­lo­­sophie. "Nur auf Briefen und Post­be­legen lässt sich die postgeschichtliche Ent­wicklung ei­nes Gebietes aufzeigen. Und das Sam­mel­gebiet Berlin (West) gehört ab 1948 zu den spannendsten Teilbereichen der deutschen Postge­schichte!"

Ausruf ab 60 Euro

Im ersten, 450 Lose umfassenden Teil der Koegel-Sammlung kann man sich ein gutes Bild von seinen Samm­ler­vorlieben machen, wobei der Rah­men weit über normale Karten oder Briefe hinaus geht. Das Angebot startet mit Zehnfachfrankaturen, in West-Berlin verwendeten SBZ-Marken (z. B. MiNr. 224 als Einzelfrankatur, 500 Euro) oder "Freistempelschätzen". Im Mittelpunkt stehen natürlich die Ver­wendungen der Berliner Dauer- und Sondermarken. Und dort entdeckt man bei bestimmten Frankaturen, Verwen­dungen wie frankierten Einlieferungs­scheinen, Quit­tungen, Wertbriefteilen, Zahlkarten oder Formblättern den "typischen Koegel". Ziemlich ausgiebig ist auch die Abtei­lung mit den Ganz­sachen inklusive Son­derganzsachen und Funklotterie. Ein umfangreiches Ka­pitel ist auch der Postkrieg in all seinen Variationen.
Liebhaber der Berliner Postgeschichte sollten sich die Sonderauktion in Berlin am 18. September (im Rahmen der 341./342. Köhler-Auktion vom 18. bis 25. September 2010) vormerken. Lo­bend hervorzuheben ist, dass das Auk­tionshaus Köhler den 1. Teil der Koe­gel-Sammlung sehr weitreichend de­tailliert hat. Dadurch gibt es viele Kauf­gele­genheiten im zweistelligen Bereich (auch wenn man angesichts der Güte befürchten muss, dass das kaum die End­preise sein werden), und im Kata­log ist fast jedes Los farbig abgebildet. Eine gute Dokumentation für den en­gagierten Berlin-Sammler!


Bildbeschreibung: 8 Pf, drei Stück auf Brief von "BERLIN-CHARLOTTENBURG 14.5.49" nach Thale, Frankatur nicht anerkannt und mit L1 "Nach­ge­bühr" und Taxe "24" kenntlich gemacht (80 Euro).

» www.heinrich-koehler.de

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