68. Jahrgang

Auktionsberichte

Die Post aus Saloniki kam nicht immer vom Meer!


30.08.2010 | HAMBURG Es war zu Beginn des 20. Jahr­hunderts der Wunsch der habsburgischen Regierung, eine Verbindung vom Reichs­gebiet zum Ägäischen Meer zu bekommen. Dies führte zum Bau einer Eisenbahnlinie vom Hafen Saloniki durch damals türkisches Territorium in das Gebiet von Bosnien-Herzegowina.


Einerseits ließ die ständige Zunahme von Warenströmen und der Bedarf an schneller Kommunikation den Wunsch aufkommen, entlang der Strecke neue österreichische Post­ämter einzurichten, andererseits war nach dem Berliner Kongress von 1878 die politische Situa­tion eher auf ein "Zu­rück­nehmen" eu­ro­päischer Einfluss­nah­me im Os­mani­schen Reich eingestellt.

Da es also keine neu­en Levante­postämter ge­ben durfte, kam man auf die Idee, "Zweigpost­ämter" ein­zurichten - eine "Schwejkiade" aus der kuk-Zeit, die für Philatelisten bemerkenswerte Spuren hin­terließ. Das österreichische Post­amt in Saloniki am Ägäischen Meer bekam im Zuge dieser postalischen Schlitzohrigkeit vier Zweigpost­ämter, die zum Teil ein paar hundert Ki­lo­meter vom Hauptpostamt entfernt waren, nämlich in den Orten "Monastir", "Üsküb", "Prizren" und "Mitrowitz".

Die verwendeten Poststempel unterscheiden sich durch den jeweiligen Anfangs­buchstaben der genannten vier Orte, die der Bezeichnung SALONICH nachgesetzt wurden, und weil es mit "Monastir" und "Mitrowitz" zwei Orte mit dem Anfangs­buchstaben "M" gab, hießen die Abkür­zungen SALONICH M, SALONICH MI, SALONICH Ü und SALONICH P.

Die Dokumentation dieser postgeschichtlichen Delikatesse ist ein Highlight in der Sammlung Bailev "Die Poststempel der österreichischen Levantepostämter", die - angeboten in über 100 Positionen - auf der 326. Schwanke-Auktion vom 2. bis 4. Sep­tember 2010 zur Versteigerung gelangt.

Neben diesem Los (Schätzpreis 2500 Euro) fallen besonders schöne und klare Ent­wer­tungen auf den verschiedenen Aus­gaben der österreichischen Levantepost ins Auge. Genannt seien der Lloyd-Stempel BERUTTI auf Brief von 1855 (850 Euro, Abbildung Seite 56) und der Stempel von CESME auf Brief 1905 (750 Euro). Etliche Entwer­tungen, die in der "Bailev"-Sammlung enthalten sind, stammen aus berühmten Sammlungen wie "Steindler" oder "Jerger" und sind oft nur in wenigen Stücken überhaupt belegt.

Internationale Beachtung verdient im weiteren Verlauf der Auktion auch die Auflösung der Jürgen-Zahn-Sammlung "Äthiopien". Angeboten in 167 Losen entfaltet sich die Postgeschichte des Landes von Belegen der Napier-Expedition aus den Jahren 1867-68 bis hin zur Neuzeit. FIELD FORCE POST OFFICE ABYSSINIA 11 JA 68 lautet der Stem­pelabschlag auf einem Brief des Afrika­rei­senden Gotthard Rohlfs nach Gotha. Rohlfs hatte im Auftrage des preußischen Königs an der Napier-Expedi­tion teilgenommen, wohl auch, um koloniale Möglichkeiten Preußens auszuloten. (750 Euro).

Selten und dekorativ ist frühe Post aus dem Land nach Europa. Beispielhaft angeführt seien die MiNr. 1 und 2 auf Brief aus 1898 von "Entotto" in die Schweiz (500 Euro). Das Angebot enthält auch den "Vier-Provinzen-Block" aus dem Jahre 1894, der - mit einer Auflage von nur 200 Stück - nur an hochgestellte Persönlichkeiten verteilt wurde. Dieser Block, der von der äthiopischen Postverwaltung als offizielle Ausgabe gelistet wird, wird von vielen Sammlern gern als erster Markenblock der Welt be­zeichnet (200 Euro). Die Zahn-Sammlung enthält ne­ben dem "normalen" Mar­ken­material auch sehr viele Probedrucke, Vorla­ge­bogen und Stu­dien­material zu den verschiedenen Auf­druck­serien. In 16 Po­sitionen gelangt zu­dem die Literatur zum Sammel­gebiet zur Versteige­rung. Wei­tere ausführliche In­formationen finden Sie auf der Webseite des Auk­tions­hauses.

Ein weiterer Schwer­punkt im Übersee-Bereich sind ca. 500 Lose der Britischen Kolonien, die ein sehr ausgewogenes An­gebot der Ausgaben von "Victoria" bis "Ge­org V" darstellen. Viele hohe Pfund-Werte , wie z.B. 5 Pfund von Sierra Leone (600 Euro), sind sowohl in ungebrauchter als auch in gestempelter Erhaltung im Auk­tionskatalog zu finden.

Gut 230 Lose philatelistischer Literatur, dar­unter große Teile der Jürgen-Zahn-Biblio­thek, insbesondere zu überseeischen Ge­bieten, komplettieren das Einzellos-Angebot ausländischer Sammelgebiete.

Die Deutschland-Abteilung mit gut 1700 Einzellosen dürfte kaum Wünsche offen lassen. Von vorzüglichen Exemplaren der Mar­kenklassik bis hin modernen Raritäten aus der Produktion der Bundesdruckerei reicht die breite Palette.

Im Altdeutschland-Teil finden sich Bayern MiNr. 1 II a auf Luxusbriefstück (1300 Euro), ein um­fangreiches Angebot "Hamburg-Stem­pel" (50 Lose), Hannover mit fast 100 Positionen (dabei wundervoll klare Stempel, oft auf Luxusbriefen oder -briefstücken) oder von THURN & TAXIS der wohl schönste Neujahrs-Zierbrief aus "Weimar" (1100 Euro).

Deutsches Reich (insgesamt 450 Lose) glänzt u.a. mit seltenen Markenheftchen, darunter MH MiNr. 16 (2800 Euro) und MH MiNr. 22.2 (3800 Euro) jeweils postfrisch und in taufrischer, überdurchschnittlicher Erhaltung mit neuesten Fotoattesten. Die Nebengebiete sind wie gewohnt gut vertreten, es seien eine "50 Pfennig Hand­stem­pel" der Deutschen Post in China (3000 Euro) und von Deutsch-Neuguinea die kaum angebotene 5 Mark mit Wasser­zeichen in guter Type (MiNr. 23 II B II) in postfrischer Luxusqualität (1000 Euro) erwähnt.

Deutschland nach 1945 beginnt mit einer Überraschung: Auch für die Schwanke-Ex­perten war das Auftauchen eines Post­stückes vom 28. Juni 1945 aus Schlesien (Eulengebirge) eine kleine Sensation. Im Glatzer Bergland, das noch nicht komplett von Polen übernommen war, wurde der Postdienst noch bis zum August 1945 von deutschen Beamten versehen. Das angebotene Stück aus "Heidersdorf" ist der bisher einzig bekannt gewordene Beleg aus diesem kleinen Gebiet - Post aus dem „Stet­tiner Zipfel“ ist dagegen fast Massenware! Der Startpreis beträgt 1000 Euro.

Erwähnenswert sind von der SBZ seltene Wasserzeichen-Varianten, so z.B. MiNr. 68 Y, "5 Pfg. WZ steigend", als postfrisches Bo­genrandstück (5000 Euro). In gut 65 Po­sitionen gelangt eine Spezialsammlung Bezirkshandstempelaufdrucke des Gebietes "38" zur Auflösung, darunter seltene Stem­pel und hohe Werte bis 5 Mark Taube, z.B. "38 Greifswald", fremdverwendet in "Garz auf Rügen" (1000 Euro). Selten ist auch eine Ziffern-Ganzsache 45 Pf "37 Wismar", die als Not-Paketkarte Verwendung fand (1000 Euro).

Das Sammelgebiet Bund lockt mit vielen modernen Abarten und Besonderheiten. Aber was sind diese im Ver­gleich zu ungezähnten Posthornwerten, z.B. ei­ner 80 Pf mit zudem noch Wasserzeichenabart und vom Bogenrand in postfrischer Luxuserhal­tung (Mi.Nr. 137 Y U, 1000 Euro)?

Knapp 1400 Lose umfasst das Samm­lungs­angebot. Appetit macht eine General­sammlung aus dem Jahre 1914 aus prominentem Hamburger Familienbesitz. Begin­nend mit einem Altdeutschland-Teil in ganz überdurchschnittlich guter Qualität finden sich die Ausgaben des Deutschen Reiches, der Kolonien sowie einige sehr gut besetzte europäische und überseeische Länder in einem alten Schwaneberger-Album (5000 Euro). Viele weitere komplette Nachlasspos­ten sowie eine ganze Reihe gut ausgebauter Länder- und Spezialsammlungen folgen, bei Übersee mit Schwer­punkt bei den Briti­schen Kolonien. Motivsammlungen, An­sichts­karten, Mün­zen und Banknoten be­schließen das insgesamt 5332 Lose umfassende Angebot mit einem Schätzwert von rund 1,2 Millionen Euro.

Internet:


» www.schwanke-auktionen.de

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