68. Jahrgang

Auktionsberichte

Hartmut Raith Ansichtskartenauktionen: Ein Traditionshaus wechselt in jüngere Hände Ein Bericht von Herbert Fischer


23.12.2015 | Am 28. Mai 1983 begann für den jungen Hartmut Raith eine besondere Ära: Zu diesem Zeitpunkt noch keine 30 Jahre alt, führte er seine erste Auktion für Ansichtskarten durch. Zuvor war er bei zwei Briefmarken­auktionshäusern als Angestellter tätig, dort wurden von Zeit zu Zeit auch Ansichtskarten angeboten. Schnell bemerkte er, dass ein großes Interesse an den Karten vorhanden war. Es existierten zwar schon die Auktionshäuser Bernhard, Meixner und Michaelis. Raith hatte sich je­doch vorgenommen, den ersten Katalog zu produzieren, der teilweise in Farbe gedruckt wurde - zu dieser Zeit noch eine Besonderheit! Bevor es 1983 soweit war, plante er seine erste Auktion im Detail. Nach fast dreijähriger Vorbereitungszeit wurde die erste Versteigerung ein großer Er­folg. Es wurde alles verkauft, was schön war. Die Sammler waren da­mals noch nicht so spezialisiert wie sie es heute sind.


Ansichtskarten-Markt im Wandel

Am 7. November 2015 führte Hartmut Raith seine 66. und zugleich letzte Ver­steigerung durch; nach 33 Jahren aktiver Tätigkeit verkaufte er seine Firma an den jungen Auktionator Daniel Stade aus Grenzach-Wyhlen (Baden-Würt­tem­berg). Stade ist Inhaber des gleichnamigen Auktionshauses und ebenfalls auf historische Ansichtskarten spezialisiert. Er führte seine erste Auktion im Jahre 2003 durch, damals noch unter dem Namen des ehemaligen Inhabers Dienger. Endgültig eigenständige Auk­tionen mit dem neuen Firmennamen Stade veranstaltete er erstmals im Jahre 2008. Hartmut Raith sei eines der seriösesten Auktionshäuser in diesem Markt­segment und von Anfang an sein Vor­bild gewesen, sagt Stade. Mit der Übernahme der Firma erfülle sich für ihn ein Traum. Das Sam­Internetplattformen, weg von den klassischen Ansichts­kar­tenbörsen und ähn­lichen Veran­staltungen, sei nicht zu übersehen. Er bedauert dies, persönliche Kontakte gingen auf diese Weise verloren. Wer aber im Markt er­folgreich bestehen bleiben will, sei zur Anpassung ge­zwun­gen.

Diesen Wandel sieht auch Hartmut Raith. Die Anzahl der Bezieher seiner gedruckten Kataloge sei in den letzten Jahren gesunken, während die Internetbieter deutlich zugenommen habe. Raith setzte immer auf die Tradition seines Hauses, die besondere Atmosphäre, die jede einzelne Auktion mit sich brachte - ein Erlebnis, das das Internet nach seiner Ansicht nicht ersetzen könne. Seine Ansprüche an die eingelieferte Ware waren stets hoch, qualitativ einfachere Ware wurde in der Regel nicht in die Auktion aufgenommen. Da viele Sammler aber auch das Internet als Verkaufsmöglichkeit für sich entdeckten, wurde es immer schwieriger, die selbst gesteckten Ziele zu erreichen. Dennoch ist es Raith auch mit der letzten Versteigerung gelungen, einen Katalog mit rund 7000 Losen an die Kunden zu versenden, die fast restlos verkauft wurden. Diese Vorgaben seien jedoch immer schwerer zu erreichen, weil es nicht mehr einfach ist, genügend Qua­litätsware als Einlieferung zu bekommen. So war für ihn der ideale Zeitpunkt gekommen, sei­ne Firma an Da­niel Stade zu ver­äußern, der zu­dem mit der mo­dernen Technik aufgewachsen ist, die heute notwendig ist, um ein Geschäft erfolgreich führen zu können.

Nach 33 Jahren ist es aber auch für Raith nicht einfach, sich vollkommen aus dem Geschäft zurückzuziehen. Im März 2016 möchte er zusammen mit seiner Frau einen Online-Shop für historische Ansichtskarten eröffnen. Unter dem Namen www.ansichtskarten-phil­atelie.de soll das neue Projekt gestartet werden. Daniel Stade wird von der langjährigen Erfahrung Raiths profitieren können. Zwischen beiden wird es nach der Übernahme eine enge Zu­sam­menarbeit geben. Hochwertige und interessante Einlieferungen ehemaliger Kunden können dann über Stades Auktionshaus dem interessierten Pu­blikum angeboten werden.

Beide sind übrigens auch selbst Samm­ler, nicht unwichtig, wenn man erfolgreich sein will und seine Kunden "verstehen" möchte. Stade ist zwar Nicht­raucher, sammelt jedoch seit seinem 14. Lebensjahr Aschenbecher aus Glas und Porzellan, die mit Werbung versehen sind. Darüber hinaus interessiert er sich für Ansichtskarten aus seiner Hei­mat und für Karten, die sich mit der Ansichtskartengeschichte befassen. Hartmut Raith begeistert sich für viele Gebiete, insbesondere für die Karten der Wiener Werkstätte, Vorläufer und Ereigniskarten. Wichtig ist ihm jedoch seine Heimatsammlung von Langgöns (bei Gießen), seinem Wohnort. Stade berichtet, dass sein Vater ihn bereits als 5-jährigen Jungen zu Börsen und Auk­tionen mitgenommen hat, das habe ihm immer viel Freude bereitet. Nach einem Rat für Neueinsteiger gefragt, antwortet er: "Fang endlich an zu sammeln, ein abwechslungsreiches, spannenderes und lehrreicheres Hobby ist nur schwer zu finden." Raith ergänzt: "Das Netz ist voll mit Billigware und Häufigkeitsmotiven. Man sollte Quali­tät sammeln und eine Sammlung mit möglichst guten Karten aufbauen. Die Gebiete, sowohl topographische als auch thematische, sind vielfältig, die The­men­wahl lässt alle Möglichkeiten offen."

Optimistischer Blick in die Zukunft

Nach 33 Auktionsjahren ist Hartmut Raith einiges in besonderer Erinnerung geblieben. Dazu gehört seine 50. Auktion im Jahre 2007. Damals wurde das teuerste Los in seiner Firmenge­schichte zugeschlagen. Eine Sammlung mit Karten ehemaliger deutscher Ost­gebiete wurde bei einem Startpreis von 15 000 auf 120 000 Euro hochgesteigert. Bei dieser Auktion erreichte Raith einen Gesamtumsatz von 638 000 Eu­ro. Das Auktionspublikum begleitete die Zu­schlä­ge mehrfach mit freudigem und begeistertem App­laus.

Daniel Stade ist heute ebenfalls ausgesprochen erfolgreich. In­nerhalb von fünf Jahren wurde sein Auktions­haus zum um­satzstärksten und größten für An­sichtskarten über­haupt. Seine zuverlässige und seriöse Arbeit brachte ihm den Bestand des ehemaligen Händlers Josip Stefanovic aus Stuttgart ein, insgesamt über 1 Mil­lion teils hochwertiger Karten. Die Fir­ma Krause aus Berlin hat ihm ebenfalls einen herausragenden Bestand anvertraut.

In seinen Ausführungen unterstreicht Hartmut Raith die Bedeutung des deutschen Marktes. „Deutschland ist der wichtigste Markt. Sowohl im thematischen als auch im topographischen Bereich gibt es hier das größte An­ge­bot und die größte Vielfalt. Deutsch­land ist weltweit der beliebteste Markt“. Daniel Stade hält noch den französischen Markt für er­wähnenswert. Sein Auktionshaus dürfte jedoch das größte weltweit im Be­reich der Ansichts­karten sein. Mit Freude hat er die verschiedenen Ini­tiativen des BDPh rund um das The­ma Ansichtskarten zur Kenntnis ge­nom­men. Aus seiner Sicht sei es höchste Zeit, dass die An­sichtskarten­samm­ler wahrgenommen werden. Der Einzug in die Wett­bewerbsklassen im Ausstellungswesen sei eine logische Folge, und er sei be­reit, diese Initia­tiven zu jeder Zeit zu unterstützen. Sta­de blickt optimistisch in die
Zukunft. Viele Sammler hätten ihr Hob­by zwar altersbedingt aufgeben müssen, doch gerade im Bereich der An­sichtskarten gelänge es immer wieder, neue Kunden gewinnen. In den letzten Auktionen seien durchschnittlich je­weils 400 neue Kunden dazugekommen, ei­ne sehr beachtliche Zahl.

Neben dem Beruflichen verbindet beide Auktionatoren auch der Sport. Stade ist leidenschaftlicher Skifahrer und spielt gerne Golf. Raith bevorzugt Tennis und ist 1. Vorsitzender des Ten­nis-Clubs Grün-Weiß Langgöns. Übrigens spielen seine beiden Söhne erfolgreich Fußball, und er unterstützt sie in dieser Hinsicht so gut es geht.

Man darf gespannt sein auf den Kata­log zur 38. Ansichtskarten- und Phil­atelie-Auktion von Daniel Stade am 13. Februar 2016, bei dem die Mitarbeit von Hartmut Raith schon erste Spuren hinterlassen haben dürfte.

(Herbert Fischer)


Bildbeschreibung: Geht auf der nächsten Stade-Auktion mit 1000 Euro ins Rennen: Wiener Werk­stätte Nr. 147 B, Oskar Kokoschka "Happy Eas­ter I".

» www.stade-auktionen.de

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