68. Jahrgang

Auktionsberichte

Sechserblock auf Überseebrief: Die US-Philatelie ist um einen Sensationsfund reicher!


22.09.2010 | Oliver Weigel, Versteigerer im Hamburger Auktionshaus Schwanke, traute seinen Augen nicht, als er die uralte Korrespondenz sichtete. Eine Familie aus einem kleinen Dorf im Emsland hatte ihn Anfang Juni zu einem Beratungsgespräch gebeten. Mitte des vorletzten Jahrhunderts waren einige Familienmitglieder in die USA ausgewandert. Trotz der gro­ßen Entfernung über den Atlantik blieb die Verbindung bestehen. Damals waren Briefe das einzige Kommunikationsmittel. Unter diesen frühen Briefen aus Amerika fand Weigel eine bis dato nicht bekannte klassische Großrarität: eine 60 Cents-Frankatur der Ausgabe 1855, dargestellt mit einem Sechser-Block der "Ten Cents"!


Über sechs Wochen unterwegs

Der Brief lief von San Francisco nach Gehrde im damaligen Königreich Han­nover, das kein eigenes Postamt besaß. Damals lebten dort rund 300 Men­schen, von denen nach und nach ein Drittel in die USA auswanderte. Zu ih­nen gehörte auch Johann Gerhard Wilhelm Schulte, der 1843 im Alter von 17 Jahren die Reise über den Atlantik wagte. "Er ging, wie so viele damals, nach Kalifornien (Goldrausch), machte sein Glück in San Francisco aber nicht mit dem Schürfen von Gold, sondern mit Handel von Lebensmitteln", wie Auktionator Hans-Joachim Schwanke herausgefunden hat. "1865 kam er nach Deutschland zurück und sorgte im Dorf Gehrde für Aufsehen, da er einen Schwar­zen als Diener mitbrachte, der dann als Kutscher für ihn arbeitete. Er heiratete eine Minna Schumacher aus dem Dorf. In den Folgejahren machte er wieder einige Reisen nach USA, bis er 1881 endgültig nach Amerika zu­rück­ging, wo er im Jahre 1907 verstarb."

Von jenem Johann Gerhard Wilhelm Schulte stammt der einmalige Brief aus San Francisco nach Gehrde mit dem Sechserblock der "TEN CENTS". Vom Aufgabe- bis zum Bestimmungsort be­trug das Porto 60 Cents. Dafür wurde ein Sechserblock der "TEN CENTS" der Ausgabe 1855 verwendet. "Die Einheit besteht aus drei Exemplaren der Type I, Sc.No. 13 (der untere Streifen), und drei Exemplaren der Type III, Sc.No. 15 (der obere Streifen)", erläutert Brief­marken-Experte Wolfgang Jakubek in seinem Befund vom 8. August 2010. "Der Sechserblock belegt im Schalter­bogen von 100 Stück die rechte untere Bogenecke. Demzufolge besteht er aus den Bogenpositionen 88, 89, 90 sowie 98, 99, 100."
Aufgegeben wurde der Brief am 21. April 1856 im kalifornischen San Fran­cisco, also an der Westküste der USA. ‚Vom ‚Br.Pkt.New York' befindet sich außerdem ein schwacher Teilabdruck in rot zentrisch auf dem Block", hat Jakubek festgestellt. "Der rote ‚AACHEN FRANCO' auf der Anschriftenseite zeigt das Datum 3.6. Aus dieser Datierung lässt sich zu­rückverfolgen, dass der Brief mit dem Steamship ‚America' der Cunard Line den Atlantik überquerte. Die ‚America' traf am 1. Juni 1856 in Liverpool ein. Ein verschlossener Post­sack ‚Per Prus­sian Closed Mail' ging anschließend weiter nach Aachen, wo er am 3.6. (1856) bearbeitet wurde. Sämtliche Stempel und der handschriftlich angebrachte postalische Ver­merk ‚60’ befinden sich auf der An­schriftenseite."

Ursprüngliche Erhaltung

Nachdem der Empfänger - der Vater von Johann Schulte - den Brief gelesen hatte, verstaute er ihn im Familien­ar­chiv. Auch die folgenden Generationen verwahrten die Korres­pondenz sorgsam. Dies erklärt, warum der mittlerweile 154 Jahre alte Brief auch gegenwärtig noch weitgehend dem Zustand zum Zeitpunkt seiner Ankunft in Gehr­de 1856 entspricht. "Durch den gewaltigen Postweg von San Francisco via New York bis ins Königreich Hannover erklären sich naturbedingte Beförde­rungsspuren. Zum historischen Cha­rakter des Stückes gehören sie dazu", beschreibt Wolfgang Jakubek die Er­haltung der Kostbarkeit. "Im Eck­be­reich der linken oberen ‚TEN CENTS' zeigt sich im Papier eine klar erkennbare Qualitäts­beanstandung, auf die hinzuweisen ist. Dieser Schönheitsfehler ändert jedoch nichts an der Einzig­ar­tigkeit, er schmälert die philatelistische Bedeutung des Unikats in keiner Wei­se."

Auf die Versteigerung der USA-Rarität im Rahmen der beliebten "Schwanke Special" auf der 327. Versteigerung vom 25. bis 27. November 2010 freut sich Hans-Joachim Schwanke schon jetzt. "Der Fund dieses Beleges ist eine Sensation. In über 40 Jahren im Ge­schäft habe ich so etwas noch nie er­lebt!" Die Kostbarkeit ist mit 10 000 Eu­ro angesetzt.


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