68. Jahrgang

Auktionsberichte

Handgezeichnete Bauhaus-Ansichtskarte übertraf alle Erwartungen


25.03.2016 | (wm) Am 12./13. Februar versteigerte das Auktionshaus Stade in Grenzach-Wyhlen eine "Künstler-Postkarte", die der fachkun­dige Auktionator mit 1000 Euro angesetzt hatte und die dann auf - manche würden sagen - schwindelerregende 7500 Euro Zu­schlag stieg, den Käufer also letztlich rund 9000 Euro kostete. Bereits das ist außer­gewöhnlich und überstieg die Erwartungen von Daniel Stade, der - wie er später zugab - zwar mit um drei- bis viertausend Euro gerechnet hätte, aber von dem Zuschlag ebenfalls überrascht war.


Was war der Grund, mag sich der Sammler fragen, was sind die Hintergründe dieses interessanten Loses? Es hat eine recht au­ßergewöhnliche Geschichte. Die Karte fand vor rund 20 Jahren ein normaler Brief­mar­kensammler in einer Rundsendung. Sie sollte damals 30 DM, also circa 15 Euro, kosten und gefiel dem Sammler aufgrund der außergewöhnlichen modernen Zeich­nung so gut, dass er sie - eigentlich als Ge­schenk gedacht - kaufte. Sie verschwand dann in einer Kiste, wurde vergessen, bis eben zwei Jahrzehnte später der Sohn des Sammlers diese sah und meinte, man müss­te sie einmal einem Fachmann vorlegen. Immerhin sei es ein handgezeichnetes Original, das vielleicht "künstleri­schen" Ursprungs sein könnte. So kam der Kontakt zu dem Auktionator Daniel Stade zustande, der die Karte sah und sich sofort bereit er­klärte, diese in seine kommende Auktion aufzunehmen, allerdings noch keine An­gabe machen wollte, zu welchem Ausruf­preis. Dafür seien noch Recherchen er­for­derlich. Stade fand heraus, dass der auf der Rückseite dieser einmaligen "Ansichts­karte" grüßende Künstler - man liest nur dessen Vorname "Werner" - vermutlich Werner Graeff aus der Bauhaus-Schule in Weimar war, der hier zum Drachenfest 1921 seine einmalig kunstvolle Handschrift hinterließ.

Stade setzte die Karte daraufhin mit 1000 Euro an, was dem Einlieferer bereits "mu­tig" erschien. Ob die Karte zu diesem Preis denn überhaupt verkauft würde, wagte er zu zweifeln. Der Einlieferer gab aber auch freimütig zu, dass er eben keine Ahnung habe, schöne Kunst - was immer man dar­unter verstehen möge - ihm einfach nur gefalle. Der Kenner, zumal Daniel Stade, aber wusste, welches Potential solch eine Karte hat, was mit dem Begriff "seltene An­sichtskarte" in der Losbeschreibung stark untertrieben ist, denn diese Karte ist einmalig, ein Unikat, wie Sammler solche Stücke bezeichnen.

Daniel Stade, er ist mit seinem Unter­nehmen übrigens auch Mitglied des APHV, zeigte sich hoch erfreut, der Einlieferer eben­falls, denn dieser hatte mit dem Ergebnis bei weitem nicht gerechnet. Ein kleiner Kistenfund entwickelt sich zum Highlight! Aus 30 DM wurden 7500 Euro (abzgüglich Einlieferergebühr). Dennoch ein schöner "Batzen", der nun fein zwischen Vater und Sohn geteilt wird. Was wiederum zeigt: Mit Kenntnis und etwas Glück sind auch heute noch Schatzfunde möglich. Dabei muss es eben nicht immer Picasso sein!


Bildbeschreibung: Schoss bei Daniel Stade von 1000 auf 7500 Euro: Eigenhändig gestaltete Bauhaus-Künstlerkarte aus dem Jahre 1921.

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