68. Jahrgang

Auktionsberichte

355. Schwanke-Auktion: Die verschwundene Elizabeth


25.03.2016 | "Album de Grand Luxe" - 105 Einzeldrucke der Gemeinschaftsausgaben des französischen Weltreichs "Du Tchad au Rhin" und "Victoire", auf hochwertigem Bütten gedruckt und als Luxusausgabe im Halble­der­ein­band gebunden. Eine bibliophile Rarität, die im Jahre 1946 vom Institut de Gra­vure (Paris) in einer Auflage von nur 30 Exemplaren produziert wurde, ist ein Highlight der 355. Schwanke-Auktion, die am 22. und 23. April in Hamburg stattfindet.


Buch-Raritäten und seltene Postgeschichte

Diese Luxusedition wurde damals nur an hochgestellte Persönlichkeiten verschenkt. Etliche Stücke wurden in den vergangenen 70 Jahren "zerlegt" und die Einzeldrucke dann stückweise verkauft. Es dürften heute nur noch ganz wenige komplette Alben existieren. Ei­ne weitere bibliophile Rarität ist ein Kar­tenatlas, der insbesondere die Schlacht­felder des Siebenjährigen Krie­ges (1756- 1763) darstellt. Er erschien 1807 in Pa­ris als "Atlas du traité de grandes opérations militaires ... Carte Générale pour l'Intelligence de la Guerre de Sept- Ans". Ein interessierter Postgeschichtler kann darin z.B. Trup­penbewegungen und Aufmarsch­pläne der Schlachten um Breslau, Leu­then, Cunersdorf oder Rosbach verfolgen. Ver­fasser war Baron Antoine-Henri Jomini, ein einflussreicher Militärtheoretiker, der unter Mar­schall Ney und später unter Napoléon Bonaparte als Brigadegeneral diente. Daneben stehen in der Literatur­ab­tei­lung gut 300 weitere Positionen (All­gemeine Werke, Monographien, Hand­bücher und Kata­loge, Periodika und Auktionskataloge) zur Disposition.

"The Disappearing Queen" von Sin­ga­pur ist im Übersee-Angebot sicherlich eines der verrücktesten Stücke. Ein Bo­genteil von zehn Stück des Dauer­se­ri­enwertes zu 30 Cents, bei dem das Bild der jungen Königin Elizabeth II langsam verschwindet. Sehr eindrucksvoll - die Fachliteratur nennt nur einen Bo­gen, der dieses Kuriosum zeigt. 1903, 30. Juni: "This is the first set of postmarked stamps posted at Aitutaki", dies vermerkte der Absender eines Briefes nach Rarotonga, frankiert mit der ersten Markenausgabe des Landes, auf der Vorderseite. Für heutige Süd­seereisende sind die Cook-Inseln fast schon im "All inclusive"-Programm enthalten. Vor über 100 Jahren, als dieser Brief versandt wurde, war Aitutaki für die meisten noch "Terra incognita".

Und "Terra incognita" war es auch, als die Sowjetunion im Jahre 1961 den ersten bemannten Weltraumflug wagte. Aus diesem Anlass erschien eine 6-Kopeken-Marke mit der Abbildung des Sputniks. Als einzelne Marke ist diese MiNr. 2474 auch heute noch Massen­ware. Die damals mit Zierfeldern gedruckten Klein­bo­gen sind je­doch von großer Sel­ten­heit und werden im Michel nur o­h­ne Preis, in den russischen Stan­dardkatalogen mit Notie­run­gen jenseits der 20 000 Euro ge­listet. Schwan­ke kann einen solchen Klein­bo­gen jetzt ausrufen.

Von Hamburg-Harburg nach Süd­ame­rika - eine erst kürzlich entdeckte Ge­schäftskorres­pondenz aus den Jahren 1860-1875 kommt im Deutschland-Teil unter den Hammer. Der Mitinhaber der Firma "Blech Dampfmühlenfabrik" war in dieser Zeit für seine Firma in Val­paraiso und Santiago de Chile unterwegs und aus der an ihn gerichteten Firmenkorrespondenz sind einige wenige Poststücke erhalten geblieben. Der wertvollste Brief zeigt eine Misch­frankatur aus Brustschildmarken und der "50 Pfennige" (MiNr. 36). Diese ho­he Wertstufe wurde vornehmlich auf Paketkarten verwendet. Bei dieser Mar­kenkombination darf man sicherlich von einem "Liebhaberstück" sprechen. Da es hier um Destinationen geht: Wie wäre es 1867 "von Altona nach Hong­kong"? Viele von derartigen Belegen dürfte es kaum geben. Der Empfänger war ein Seemann auf der Hamburger Bark "Hans", und er wird sich gefreut haben, seine Grüße aus der Heimat in Hongkong entgegennehmen zu dürfen.

Preußen-Sammler dürfen sich auf ein Postinsinuationsdokument an das Amts­gericht Anklam freuen. Eigentlich wäre es portofrei gewesen, doch es kam aber aus St. Petersburg zurück (wo ein Kauf­mann zum Gerichtstermin ge­laden wur­de), und der russische Mar­kenanteil muss­te in Freimarken entrichtet werden. In jedem Fall eine postgeschichtliche Deli­katesse. Ein Traumstück für Thurn-&-Taxis-Samm­ler bzw. Liebhaber klassischer Philatelie ist ein Brief von Frankfurt nach Dün­kirchen, der mit einem Ganz­sachen­aus­schnitt zu 9 Kreuzer frankiert wurde, auf dem noch eine 3-Kreuzer-Mar­ke auf­geklebt wurde.


Bildbeschreibung: Eindrucksvoller 10er-Streifen: von links nach rechts wird das Porträt der jungen Elizabeth II immer verschwommener.

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