68. Jahrgang

Auktionsberichte

172. Rauhut-&-Kruschel-Auktion: Seltener Nachweis eines Postbetruges


14.07.2016 | Seitdem Briefmarken zur Vorausbezahlung von Sendungen genutzt werden können, gab und gibt es den Versuch, mit allerlei Tricks das Porto zu sparen. Schon früh kam man darauf, die Frankatur ein zweites Mal zu verwenden. Nicht oder nur schwach entwertete Marken luden geradezu zum Missbrauch ein. Oder man legte selbst Hand an mit einem Radier­gummi oder einem kleinen Messer, mit dem der Poststempel weggekratzt wurde. Einen höchst interessanten Beitrag zu diesem immer noch aktuellen Thema der Postgeschichte kann die Rauhut-&-Kruschel-Auk­ti­on am 26. und 27. August 2016 liefern: einen Postbetrug im großen Sti­le mit Marken der Bautenserie.


Teile zu neuen Marken zusammengesetzt

Wenige Monate nach der Währungs­reform 1948 erschien in der Amerika­nischen und Britischen Zone (Bizone) die sog. Bautenserie, die 28 Werte von der 2 Pf bis zum Höchstwert von 5 DM umfasste (Alliierte Besetzung MiNrn. 73-100). Durch die damaligen Um­stän­de und die Herstellung in zwei Dru­ckereien bedingt, bietet sie Spezialisten ein reiches Betätigungsfeld, angefangen bei zahllosen Zähnungsunter­schie-den bis hin zu Hunderten von Abar­ten. Dem seit Jah­ren an­haltenen Trend folgend gilt auch bei dieser Se­rie ein besonderes Interesse den Ver­wen­dun­gen, seien es Portostufen, Des­tinatio­nen oder be­stimmte Verwen­dungs­arten. Auch nach Gründung der Bundesrepublik Deutschland waren die Marken noch einige Jahre bis 31. März 1953 bzw. 31. Dezember 1954 (Mark-Werte) gültig.

Zu den seltenen Verwendungen der Bau­tenserie gehören Frankaturen auf Post­sparkarten. Deshalb fiel das Auge des Rauhut-Teams auf eine Partie von 19 Postsparkarten, alle mit dem Höchst­betrag von 3 DM frankiert, sowie fünf Verrechnungsformularen mit Marken der Bautenserie. Beim näheren Hinse­hen fiel allerdings die durchweg schlech­te Erhaltung der Frankaturen auf. Viele Marken waren angerissen, hatten ab­geschnittene Ecken oder wurden aus Tei­len zu neuen Marken zusammengesetzt. Außerdem waren bereits gestempelte Marken mit abgekratzten Stem­peln verklebt worden. Die Abstempe­lung erfolgte stets mit dem Tages­stem­pel des Postamtes (16) Frankfurt (Main) NO (Nordost) 14 mit Kenn­buchstaben "w" in den Jahren 1951 und 1952.

Die schlechte und untypische Er­hal­tung der Frankaturen ließ auch die in­nere Sicherheit der Deutschen Bun­de­spost stutzig werden. Die Spur führte sehr schnell zu dem Schalter­be­am­ten, der wesentliche Teile der Frankatur aus seinem "Besitz" beigesteuert und den Gegenwert in die eigene Tasche ge­steckt hatte. Der Partie lagen nämlich auch acht Detailfotos der Erken­nungs­dienststelle beim Posttechni­schen Zen­tralamt bei, mit denen der Post­beamte überführt worden ist, wobei nicht er­sichtlich ist, ob er mit einem internen Disziplinarverfahren oder mit einer An­klage vor einem ordentlichen Gericht be­straft wurde.

Jedenfalls haben die Beweismittel aus diesem Postbetrug (Postsparkarten, Ver­rechnungsformulare und Fotos) nach Jahrzehnten den Weg in die Philatelie gefunden. Das Auktionshaus Rauhut & Kruschel ruft diese höchst interessante, wahrscheinlich einmalige Partie mit 1500 Euro aus.
Darüber hinaus glänzt die nächste Auk­tion mit einem starken Altdeutsch­land-Teil, in dem mehrere Sammlun­gen (u.a. von Preußen sowie Thurn und Ta­xis) aufgelöst werden.


Bildbeschreibung: Postsparkarte mit den wiederverwendeten Marken aus dem Postbetrug eines Frankfurter Schalterbeamten.

» www.rauhut-auktion.de

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