68. Jahrgang

Auktionsberichte

Hamburgs "unerkannte" Rarität - die MiNr. 12 I.


28.01.2017 | (wm/im) Dass ein Hamburger Auktions­haus - Auction Galleries Hamburg, vormals Schwanke GmbH - bei seiner dritten Auktion am 3. und 4. März 2017 rund 100 Lose zum altdeutschen Sammelgebiet Ham­burg anbietet, ist eigentlich nichts Beson­deres. Wohl aber, wenn sich dabei ein Los befindet, das eine bis heute weithin unerkannte Rarität, nämlich die MiNr. 12 I, beinhaltet. Denn unter den Hamburger Post­wertzeichen, die in den Jahren von 1859 bis 1867 verausgabt wurden, nimmt die Wert­stufe zu "1 ¼ Schilling" eine besondere Stel­lung ein.


Den Postverkehr von Hamburg nach Schles­wig-Holstein besorgte seit jeher das "Kö­niglich Dänische Oberpostamt", denn Schles­wig-Holstein war ja dänisches Ho­heits­ge­biet. Mit der Niederlage Dänemarks im Deutsch-Dänischen Krieg von 1864 änderte sich dies über Nacht: Das dänische Postamt wurde aufgehoben, und fortan war die Ham­burger (Stadt-) Post für die Abf­ertigung der Post nach Schleswig-Holstein und Däne­mark zuständig.

Dringend wurden nun Freimarken zu 1 ¼ und 2 ½ Schillingen (für die weiter entfernt liegenden Orte in Dänemark) benötigt, und es wurden "auf die Schnelle" im relativ primitiven Steindruckverfahren bei der Dru­ckerei Adler solche Wertstufen produziert. Es sind dies die unter den Nummern 8 und 9 im MICHEL-Katalog notierten Marken, die bereits ab Ende Februar 1864 zum Verkauf bereit standen.

Im Laufe desselben Jahres 1864 ging man in Hamburg dazu über, Marken mit Zähnung zu verwenden. Damit war es leichter möglich, auch Einzelmarken "an das Publikum" abzugeben (die ungezähnten Marken wurden nur in "Reihen" verkauft, was einen recht schleppenden Absatz der weniger ge­bräuch­lichen Wertstufen zur Folge hatte), und die Zähnung erleichterte natürlich auch das Abfertigen größerer Postmengen.
Die Wertstufe zu 1 ¼ Schilling wurde viel benutzt - neben Ortsbriefen sind Korres­pondenzen ins benachbarte Schleswig-Hol­stein heute die am häufigsten anzutreffenden Frankaturen -, und so musste für die gezähnte Ausgabe ein neuer Druck­stein angefertigt werden, um dem Bedarf gerecht zu werden. Nur ein kleiner Rest­bestand der ungezähnten 1 ¼ Schil­ling-Marken (Mi­Nr. 8) wurde nachträglich gezähnt, dies ist die unter
"MiNr. 12 I (I. Druckstein)" im MICHEL ka­talogisierte Marke. Die Aufla­ge betrug gerade einmal 96 000 Stück, während ihre Schwes­ter, die vom II. Druck­stein produzierte MiNr. 12 II, auf eine Gesamtzahl von knapp 1,1 Millionen Exem­plaren kam. Beide Marken lassen sich eigentlich recht leicht unterscheiden, dennoch findet sich in sehr vielen Sammlungen nur die billige Nr. 12 II - quasi als Lückenfüller für die viel seltenere MiNr. 12 I.
Im neuen Auktionsangebot der Auction Galleries Hamburg kann das Haus nun ein ganz besonderes Exemplar anbieten - eine MiNr. 12 I mit anhängender Reihenzahl "2". Schon das Kohl-Handbuch wies darauf hin, dass "... gezähnte Marken, selbst ungebraucht, nur ganz ausnahmsweise einmal mit anhängenden Reihenzählern erhalten sind ..." und in allen dem Hause bekannten großen Hamburg-Sammlungen (Boker, Kuphal, Sellschopp u.a.) wurde kein vergleichbares Stück gefunden. Alle anderen Seltenheiten des Gebietes sind in dem knapp 100 Positionen umfassenden Ham­burg-An­gebot ebenfalls vorhanden.

Eine besondere Abteilung widmet sich den Vorort- oder Landpoststempeln. Vom Oval­stempel LAND=POST sind nur vier weitere Briefe bekannt, ebenso selten ist der Lang­stempel EPPENDORF aus vorphilatelistischer Zeit, aber auch die "späteren" wie "Barm­beck", "Einsbüttel" oder "Grindel", um nur ein paar Stücke herauszugreifen, sind in vorbildlicher Qualität zu haben.


Bildbeschreibung: Seltene Hamburg-Marke mit noch seltenerer Rei­henzahl "2" auf dem Bo­genrand.

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