68. Jahrgang

Auktionsberichte

4. Versteigerung Auction Galleries Hamburg: Schnelle Postbeförderung über den Nil


27.05.2017 | Zu den Blickfängen der 4. Versteigerung der Auction Galleries Hamburg gehören Marken, Stempel und postgeschichtliche Belege aus Afrika, hauptsächlich aus der Auflösung einer Sammlung "Sudan“ und "Ägyp­ten“. Selten angebotene Stücke sind aber auch von anderen Sammel­gebieten zu haben, von „Exoten“ wie Tonga oder natürlich auch aus der deutschen Philatelie. Hier fällt ein Sammelabschnitt auf, der meist eher stiefmütterlich behandelt wird. Die Rede ist von den deutschen Besetzungs­ausgaben im Ersten Weltkrieg.


Briefe dokumentieren Geschichte

Am 18. Dezember 1909 schrieb der Absender der oben abgebildeten Karte an die mechanische Fabrik Allioth (heu­te besser bekannt als "Brown Boveri“) in Münchenstein bei Basel und vermerkte handschriftlich "via le Caire Khar­toum“. Von Aba ging es erst über Land - durch die Lado-Enklave - und dann nach Juba im Sudan, dem Endpunkt der "White Nile Travelling Post“. Der Poststempel vom 1. Januar 1910 dokumentiert den Eingang in das Post­sys­tem. Es handelt sich um einen ganz seltenen Beleg, der zeigt, dass die Be­förderung über den Nil - und das wa­ren immerhin über 2000 Meilen oder 3500 Kilometer! - nach Europa schneller funktionierte als per Schiff von ei­nem westafrikanischen Hafen. Die Auf­lösung einer reizvollen Kollektion "Su­dan“ und "Ägypten“ hat aber noch viel mehr zu bieten. Stempelstudien kleiner Orte oder postgeschichtlich bedeutende Briefe stehen beim Sudan im Vor­dergrund. Darunter ist auch ein Brief an den "Governor General“ des Anglo-Ägyptischen Sudan, Sir Lee Oliver Fitz­maurice Stack, der im Jahre 1924 in Kairo einem Attentat zum Opfer fiel. In der nachfolgenden Sudan-Krise verlor Ägypten seine Einfluss im Sudan, und das zuvor be­stehende Kondominium wurde defakto aufgelöst.

Der "Ägypten“-Teil beginnt mit einem Brief mit seltener Mischfrankatur Itali­en/Ägyp­ten und dokumen­tiert die damaligen Post­verhältnisse. Für die Inlands­strecke mit einer ägyptischen 1-Pia.-Marke freigemacht, musste er für die Auslandsstrecke bis zu seinem Zielort in Italien mit italienischem Porto be­zahlt werden. Der Markenteil umfasst neben einer interessanten Spezialisie­rung der ersten vier Ausgaben nach Zähnungen auch Probedrucke, Ein­heiten und Abar­ten. Eine der seltensten Marken von Swa­ziland ist ebenfalls zu haben: der 10-Shilling-Aufdruckwert der ersten Ausga­be. Von dieser Marke sind nur wenige Stücke überhaupt registriert und Auk­tionsergebnisse, soweit solche aus den letzten zehn Jahren verfügbar waren, zeigten stets Zuschläge im mittleren vierstelligen Euro-Bereich. Und auch das folgende Los gehört zu Afrika: "Erste Flugpost Deutsch-Südwestafrika Kari­bib – Windhuk“. Poststücke dieses Flug­post­dienstes von 1914 in der Deut­schen Kolonie sind stets gesuchte Liebhaber­-
stücke. Der Stem­pelab­schlag ist sensationell gut und kommt dazu noch auf einer Bedarfskarte nach East London in Südafrika. "Full of character“, ziert dieses Stück zu Recht die Ti­telseite des Auktionska­talo­ges.

Raritäten aus dem Postgebiet Ober-Ost

Reichlich und gut besetzt ist Deutschland von den ersten Markenaus­ga­ben bis in die Mo­derne. Zu den ex­travaganten Stü­cken zählt die abgebildete 9-Kreuzer-Marke von Würt­tem­bergs erster Mar­ken­ausgabe in ungebrauchter Erhal­tung. Diese Rarität ist viel seltener als ein "Sachsen-Dreier“, eine "Mecklen­burg MiNr. 4“, oder als ein "Schwarzer Einser“ von Bayern. Die 9-Kreuzer-Mar­ke wurde völlig aufgebraucht (die Schwa­ben waren schon immer sparsame Leu­te), und ungebrauchte Exemplare ha­ben nur durch Zufall überlebt.

Bis vor einigen Jahren waren die Deutschen Besetzungsausgaben im Ersten Weltkrieg eigentlich ein recht „billiges“ Sammel­ge­biet und auf ca. zehn Seiten im MICHEL-Ka­talog abgehandelt. Inzwischen haben sich aber viele ernsthafte und gute Phil­atelisten intensiv mit dem Gebiet be­schäftigt und Besonderheiten der Far­be, des Druckes und des Papiers her­ausgefunden und auch über die relative Seltenheit mancher Entwertungen Forschungen angestellt. Die Folge ist, dass es heute viele Marken gibt, die durchaus "auktionabel“ sind. Die Auc­tion Galleries Hamburg kann wohl zum ersten Mal auf einer Auktion überhaupt eine MiNr. 5 d Postgebiet Ober-Ost in postfrischer Erhaltung anbieten (Foto oben). Ebenfalls sehr selten ist die 30 Pfennig Friedensdruck der Deut­schen Besetzung Rumänien/9. Armee. Dane­ben gibt es Einheiten, Hausauf­trags­num­mern und einige seltene Ent­wertungen aus kleinen Orten.


Bildbeschreibung: Lief über den Nil: Karte aus dem nigerianischen Aba über den Su­dan und Ägypten in die Schweiz.

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