68. Jahrgang

Auktionsberichte

37. Gärtner-Auktion: Kostbarkeiten aus aller Welt


27.05.2017 | Wie üblich darf man auch zur 37. Versteigerung im Hause Christoph Gärt­ner an seinem Stammsitz in Bietigheim-Bissingen ein sehr breit gefächertes und nicht alltägliches Angebot an Münzen, Banknoten, Brief­marken, Briefen sowie Sammlungen, Posten und kompletten Nach­lässen erwarten. Die Auktion ist wieder zweigeteilt: Am 16. und 17. Juni kommen Münzen und Banknoten unter den Hammer, vom 19. bis 23. Juni 2017 sind Briefmarken, postgeschichtliche Belege, Ansichts­karten und Sammlungen dran. Interessenten können sich auf 14 (!) Kataloge freuen, die es durchzuarbeiten gilt.


Einmaliger Kolumbus-Bogen

Die 70-Kreuzer-Marke Württembergs ist neben dem bayerischen "Schwarzen Einser“ und dem roten "Sachsen-Drei­er“ wohl die populärste Altdeutsch­land-Ausgabe, und im Gegensatz zu diesen zwei, damals als Provisorien herausgegebenen Werten erfüllt die 70 Kreuzer den sehr hohen künstlerischen Gestaltungs-Ansatz aller württem­ber­gischen Wappenausgaben auf das Bes­te. Die Ausgabe eines so hohen Wertes wurde notwendig, da ab 1874 auch Wertbriefe und Paketkarten nun nicht mehr barfrankiert wurden, sondern mit Briefmarken zu versehen waren, der notwendige Platz darauf aber manch­mal nicht ausreichte. Die Aus­ga­be erfolgte am 24. Dezember 1872 zunächst nur in drei Groß­städten (Stuttgart I + II, Ulm und Heilbronn), später jedoch erweitert auf etwa 34 größere Städte. Erst nach Ablauf der Gültigkeit am 30. Juni 1875 wurden die ungebrauchten Restbestände an die Oberpostdirektion zurückgeschickt und über lange Jahre hindurch bis Herbst 1889 beim Postamt Stuttgart IV für 2 Mark pro Stück (damals etwa der Ta­geslohn eines Facharbeiters) an Sammler verkauft. Nur die we­nigsten Sammler konnten sich ei­nen kompletten 6er-Bogen leisten, und die Händler haben da­mals die größeren Einheiten na­hezu alle aufgeteilt. Bis heute sind von der ersten Auflage nur ca. drei bis fünf 6er-Bogen und von der zweiten Auflage ca. acht bis zehn Stück registriert worden, da­von nur die Hälfte mit vollständigen oder nahezu vollständigen Rändern. Christoph Gärtner kann zum Startpreis von 35 000 Euro einen ungebrauchten Bogen der MiNr. 42 a mit Bogenschrift und Ori­ginalgum­mierung ausrufen.

Eine sensationelle Neuentdeckung, die sich schon bis in die USA herumgesprochen hat, ist ein kompletter Bogen der Kolumbus-Ausgabe zu 2 Dollar von 1893. Niemand weiß, wer vor 114 Jahren den vollständigen Bo­gen zu 100 Stück ge­kauft hat. Was man aber weiß, ist, dass dieser Bogen mit Sorg­falt in einem Bank­tresor verwahrt wurde, so dass er sich heute in einem originalen Zu­stand mit frischer Farbe und perfekter Gummierung präsentiert. Bis zum Auf­fin­den dieses Bogen waren Bogen­teile von 25 bzw. 20 Stück die größten be­kannten Einheiten, allerdings nicht längst nicht so gut erhalten. Deshalb dürfte der Startpreis von 600 000 Euro wohl nur der Auftakt zu einem Bie­tergefecht sein, das einen weit höheren Zuschlag verspricht.

Das Auktionshaus Gärtner kann aber auch modern: Für 100 000 Euro ausgerufen wird eine sog. Hepburn-Marke (Bund MiNr. XIX) aus der rechten unteren Ecke. Die nicht verausgabte Wohl­fahrtsmarke von 2001 stammt aus dem vor einigen Jahren versteigerten Klein­bogen aus dem Besitz des "Audrey Hep­burn Children’s Fund“ und trägt die Inschrift „Audrey Hep­burn“ auf dem Bogenrand. Etwas vergleichbares gibt es aus dem Sammelgebiet Österreich. Die postfrische Mar­ke zu 62 Cent "Aus­seer Tracht“ von 2012 war zur Ausgabe vorgesehen, wurde dann aber, wie die Hepburn-Marke, wieder zurückgezogen. Die seltene Marke stammt aus der rechten oberen Bogenecke eines Klein­bogens, dem ersten, der Gärtner be­kannt ist. Mit 20 000 Euro liegt der Aus­ruf um einiges niedriger.

Abschließend sei noch auf ein High­light der Banknoten-Auktion hingewiesen: die berühmte Gordon-Lee-Samm­lung, die größte und wichtigste Samm­lung lettischer Banknoten. Sie wurde in über 34 Jahren zusammengetragen und enthält viele einzigartige und seltene Banknoten aus dem Zeitraum 1919 bis 1940, darunter viele Ausgaben der Regierung des unabhängigen Lettlands sowie modernere Ausgaben von 1992 bis 2013. Zusätzlich gibt sie einen hervorragenden Einblick in die Entwick­lung der Banknoten und liefert auch eine beeindruckende Fülle an Produktionsmaterial, Essays, Proofs etc. Die Sammlung wird in einem liebevoll ge­stalteten Sonderkatalog dokumentiert.


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