68. Jahrgang

Auktionsberichte

327. Schwanke-Auktion: Begeistertes Staunen bei den Erben des "Gehrde"-Briefes!


21.12.2010 | Es war einer der Funde der letzten Jahre: Oliver Weigel, Versteigerer im Hamburger Auktionshaus Schwanke, sichtete im Frühsommer im Ems­land eine uralte Korrespondenz und fand dabei einen Brief aus San Fran­cisco mit einer 60 Cents-Frankatur, dargestellt mit einem Sechser-Block der "Ten Cents" von 1855. Die bis dato nicht bekannte klassische Großrarität und weitere Briefe aus der Familien-Korrespondenz waren die Stars der traditionellen "Schwanke-Specials" im Rahmen der 327. Ver­steigerung vom 25. bis 27. November 2010.


Händler hatte die Nase vorn

Zur Sitzung mit den "Schwanke-Spe­cials" am 26. November um 17 Uhr waren eigens Nachfahren jenes Johann Gerhard Wilhelm Schulte nach Ham­burg gereist, der am 21. April 1856 den Brief mit der spektakulären USA-Frankatur in San Francisco auf die Reise in das damals Hannoversche Gehrde gebracht hatte. Doch bis der "Gehr­de"-Brief aufgerufen wurde, mussten sich die Erben noch gut eine Stunde gedulden. Es war eine kurzweilige Zeit, und das lag nicht nur an dem humorigen Hammerschwingen von Hans-Joachim Schwanke. Gehaltvolle, aber günstig angesetzte Lose, darunter auch die beliebten 100-Euro-Starter, sorgten für Stim­mung. Eine Steckkarte mit 127 osteuropäischen Marken, "nichts Auf­re­gen­des", sprang von 100 auf 620 Eu­ro. 2900 (1800) Euro kostete ein prominenter Plattenfehler der Hamburg MiNr. 4 auf Brief. Ein taufrischer Brief mit der Lübeck MiNr. 7 stieg von 3500 auf 5000 Euro. Bemerkenswerte 21 500 (15 000) Euro erzielten die beiden letzten, nicht mehr verausgabten Marken des Deutschen Reiches, NSKK und NSFK (MiNr. X-XI). Selbst jüngstes deut­sches Material war gut beboten. So spielte eine Spezialsammlung "Frau­en der deutschen Geschichte" mit Mar­ken und Belegen mit 1000 Euro den dop­pelten Schätz­preis ein. Ein letztes Aus­rufezeichen setz­te ei­ne Kollektion mit Brie­fen der Volks­republik China aus dem Zeit­raum 1960 bis 1979, die für 27 000 (20-25 000) Euro den Be­sitzer wechselte.

Dann kam der "Gehrde"-Brief, den Hans-Joachim Schwanke u.a. amerikanischen Sammlern in New York vorgestellt hatte. Mit 10 000 Euro sicher moderat angesetzt, ging es zügig in Tausenderschritten nach oben. Zuletzt stritten ein Kommissionär und ein Händ­ler, beide aus Deutschland, um die klassische USA-Rarität. Am Schluss hatte der Händler mit 25 000 Euro die Nase vorn. In der Familien­korres­pon­denz fanden sich noch weitere frühe USA-Briefe, allen voran eine enorm hohe 1,20 Dollar-Frankatur auf einem, 1856 in New Orleans aufgegebenen Brief, die 3400 (2500) Euro brachte. Ein weiterer eindrucksvoller Brief mit einem senkrechten Dreierstreifen der Scott Nr. 30 A spielte 550 (500) Euro ein. Der "Rest" der Korres­pondenz, 13 Belege aus dem Zeitraum 1856 bis 1886, kletterte von 500 auf 680 Euro. Am Ende waren alle zufrieden und die Erwartun­gen von Schultes Nach­fah­ren deutlich übertroffen wor­den. Sie werden den Ausflug nach Hamburg nicht vergessen und Ver­wand­ten, Freunden und Bekannten viel Posi­tives über die Philatelie zu berichten haben.

Kräftige Steigerungen für Sachsen

In einem weiteren Sonderkatalog wur­de die Sachsen-Sammlung "Dr. Kauth" präsentiert, rund 140 Lose, an­gefangen von mehreren "Sachsen Dreiern" über die späteren Ausgaben bis hin zur Vor­philatelie. Die Güte des Materials sorgte für teils kräftige Stei­gerungen. So sprang eine MiNr. 1 a mit klarem Stem­pel von Meißen auf kleinem Briefstück von 2000 auf 3000 Euro. Eine Druck­sachenschleife mit einem senkrechten Paar derselben Marke schaffte es auf 12 500 (12 000) Euro. Ein senkrechtes Paar der MiNr. 2 Ia auf attraktivem Ortsbrief Dresden schoss von 1200 auf 5200 Euro. Das "POTSCHAPPEL-Kreuz­band" mit einem waagerechten Vierer­streifen der MiNr. 2 IIa stieg von 2500 auf 8200 Euro. Für 2100 (1500) Euro wurde ein waagerechter Fünferstreifen der MiNr. 3 a auf Kabinettbriefstück mitgenommen. Ebenfalls 2100 (1500) Euro wurden für eine Vier-Farben-Frankatur der Wappenausgabe (MiNr. 14 a, 15 c, 16 a und 17 a) nach Frank­reich geboten. Ein tadelloses ungebrauchtes Exemplar der zitronengelben MiNr. 15 e fand für 1050 (400) Euro ein neues Zuhause. Durch die Bank gu­te Steigerungen brachten postfrische Marken der Deutschen Auslands­post­ämter und Kolonien. Hier setzt sich ein Aufwärtstrend weiter fort.

Der letzte der drei Versteigerungstage gehörte den Sammlungen und Posten. 130 persönlich anwesende Bieter stritten um die über 1450 Positionen. 90 Prozent der Ware ging an den Handel, was man als Indiz für ein derzeit florierendes Geschäft werten kann.


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