68. Jahrgang

Auktionsberichte

16. Gärtner-Auktion: Sagenhafte 205 000 Euro für ein Syke-Provisorium!


21.12.2010 | Mit einem erneut riesigen Angebot von 17 000 Positionen krönte Chris­toph Gärtner ein erfolgreiches Auktionsjahr 2010. Mehr als 500 Einlie­ferer und rund 3100 Bieter sorgten während der vier Versteige­rungs­tage in Bietigheim-Bissingen vom 22. bis 25. November für ein Gesamt­ergebnis von ca. 5,5 Millionen Euro (vor Steuern und vor dem Nachver­kauf). Es gab eine ganze Reihe außergewöhnlicher Ergebnisse. Doch eines stellte alles in den Schatten!


Gut ausgebaute Sammlungen gefragt

Was den Amtshauptmann von Syke in der Nähe von Bremen in den 70er Jah­ren des vorletzten Jahrhunderts bewog, 1-Groschen-Marken zu halbieren und als 1/2-Groschen-Porto auf portopflichtigen Dienstbriefen zu verwenden, ist nicht bekannt. Mit seinen Provisorien, die von der Deutschen Reichspost nicht beanstandet wurden, schuf er jedenfalls Top-Raritäten des Deutschen Rei­ches. Von der 1 Gro­schen großer Schild existieren nur drei Stücke als Syke-Hal­bierung auf Brief, davon nur ein einziges auf Amtsbrief und mit dem alten Zweikreisstempel von Syke. Dieses wahr­scheinlich be­deutendste Stück konnte Christoph Gärtner im Rahmen seiner 16. Auktion anbieten. Die farbfrische Halbierung auf Dienstbrief an den Vorsteher Finke in Nordwohlde, aus der Sammlung Rohlfs stammend, startete mit 120 000 Euro. Nach einem Bieter­duell am Telefon setzte sich ein Lieb­haber mit tollen 205 000 Euro durch!

Auf hohem, stabilem Niveau zeigte sich Übersee, wobei besondere Stücke im Mittelpunkt standen. Dazu zählten auch die seltenen Belege aus der En­klave Lado (Belgisch-Kongo), wie et­wa eine Karte 1906 nach Brüssel, die auf dem Weißen Nil be­fördert wurde (Zu­schlag 1800, Ausruf 1000 Euro). Das klassische Chi­na glänzte u.a. mit einem mittig ungezähnten, ge­brauch­ten Viererblock der 5 Cand. von 1885, der von 8000 auf über 39 000 Euro davonzog. Eine Sel­ten­heit ist auch die 9 p. blau von Natal, die ungebraucht 27 000 Euro kostete. Von den USA wurde eine gebrauchte 24 C. von 1869 mit kopfstehendem Mittelstück für 15 500 (15 000) Euro zugeschlagen oder ein herrlicher Ko­lum­bus-Satz von 1892 auf einheitlichen Briefstücken für 7600 (6500) Eu­ro.

Großes Interesse und teils hitzige Bie­tergefechte verbuchten die Ein­zellose von Deutschland. Bemerkens­werte Ergebnisse wiesen schon einige Alt­deutschland-Stücke auf. Ein Bayern­brief mit einzigartiger „kleiner Brücke“ im Dreierstreifen des "Schwar­zen Einsers" wechselte für 82 000 (70 000) Euro den Be­sitzer. Eine Drucksache 1872 von Bayern nach China erhielt den Zuschlag bei 16 500 (15 000) Euro, und für einen Thurn & Taxis-Brief von 1866 mit Mehrfach­frankatur von sechs Exem­plaren der 1/3 Silbergro­schen fiel der Ham­mer bei 34 000 (30 000) Euro. Neben dem eingangs schon erwähnten Syke-Provisorium gab es noch weitere bemerkenswerte Zuschläge. Ein Dan­zig-Brief aus dem Deutschen Reich 1869 mit Misch­frankatur Innendienst/Brust­schilde [MiNr. 12 (2), 13 (2), 21 a und 22] mit Entwertung durch den Dan­ziger Hufeisenstempel ging zur Taxe von 35 000 Euro in neue Hände. Mit 38 000 (40 000) Euro landete eine 2 Mark Germania mit Was­serzeichen "Kreuz­blüten" (MiNr. 152 Y) in gestempelter Erhaltung etwas unter dem Ansatz. Im modernen Deutsch­land-Teil steigerte die 100 Pf "Heimat­vertriebene" von 1990 mit übergroßem "D" (Bund MiNr. XIV) postfrisch von 5000 auf immerhin 6800 Euro. Darüber hinaus waren auch die Kolo­nien und Neben­gebiete, vornehmlich bis zum Zweiten Weltkrieg, gefragt. Manch ungewöhnliches Stück fand re­ges Interesse, zum Beispiel ein postfrischer Eckrandvierer­block der "Frank-Marke" von 1943, der für 11 500 (10 000) Euro verkauft wur­de.

Gut ausgebaute, komplette und spezielle Qualitätssammlungen erfreuen sich wachsender Beliebtheit. Beispiels­weise war eine große "King Farouk"-Spezialsammlung Ägypten mit 3000 Euro moderat angesetzt, wurde aber dann doch für stolze 20 000 Euro zugeschlagen. Begehrt waren auch die Ko­lonien. So steigerten verschiedene Bie­ter eine Sammlung Frankreich mit Ko­lonien von 12 000 auf 18 500 Euro oder eine Kollektion Italien & Kolonien von 8000 auf 14 500 Euro. Eine postfrische Kollektion der Deutschen Aus­lands­postämter und Kolo­nien kletterte von 5000 auf 12 000 Eu­ro. Zwei Spe­zialsammlungen der Brust­schilde des Deutschen Reiches wechselten zum Schätzpreis von insgesamt 280 000 Euro den Besitzer.


Bildbeschreibung: Traumhaftes Stück mit einem traumhaften Preis: Amtsbrief mit dem Syke-Provisorium der MiNr. 19 des Deutschen Reiches.

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