69. Jahrgang

Auktionsberichte

19. Gärtner-Auktion: Preislicher Aufschwung für Deutschland-Belege!


29.09.2011 | 21 200 Lose präsentierte Christoph Gärtner in seiner Spätsommer-Auktion vom 29. August bis 2. September. Auch bestes Wetter und die Ferienzeit hielten prominente Besucher aus Australien, Amerika, Asien, Skandinavien, Österreich (trotz des bevorstehenden Fußball-Länder­spie­les), den Niederlanden und anderen europäischen Länder sowie, anlässlich der Spezialauktion "Duloz"-Ausgaben, die Spitze der türkischen Phil­atelisten nicht von einem Besuch ab. Gärtner und sein Team hatten auf das umfassende Angebot mit sehr ausführlichen Beschreibungen, auch für vermeintlich "kleine" Lose, Appetit gemacht. So sorgten am En­de über 3100 Bieter (schriftlich, telefonisch, via Auktionsagenten oder persönlich) für einen Gesamtumsatz von ca. 6,1 Millionen Euro (vor Steuern) und damit für ein mehr als zufriedenstellendes Ergebnis.


Viel Potential noch nicht ausgeschöpft!

Als kurze Einschätzung der Marktsi­tua­tion lässt sich beobachten, dass die Trendgebiete Mittlerer Osten, Asien, auch Australien und das gesamte Bri­tish Commonwealth sich nach wie vor großem Interesse erfreuen, mag auch im Moment einmal eine kurze Phase der Konsolidierung zu be­obachten sein, was durchaus aber auch der Sommerzeit geschuldet sein kann. Die nächsten Monate werden hier Klarheit bringen. Dafür kann man durch­aus positive Trends für andere Gebiete wie etwa Mittel- und Süd­amerika konstatieren. Besonders augen­fällig war der überraschend starke (auch preisliche) Aufschwung für Deutschland-Belege. Mancher Alt­deutsch­land-Brief erfuhr im Vergleich zu den Vorjahren erhebliche Steige­rungen. Sie spiegeln auch das allgemein wach­sende Interesse für postgeschichtliche und posthistorische Belege aus aller Welt wider. Philate­listische Belege (ge­fälligkeitsgestempelt oder von Phil­atelisten "ge­macht") hingegen folgen dem Trend der „mo­derneren“ Mar­ken (abwärts oder stagnierend), während das Potential für Be­darfsbriefe aus aller Welt bis hinein in die Neuzeit größtenteils noch nicht ausgeschöpft ist. Hier ist ein ge­waltiger Auf­schwung nicht nur möglich, sondern sehr wahrscheinlich!

Der Umfang und die Vielfalt des An­gebotes der 19. Gärt­ner-Auktion konn­ten diese Trends deutlich aufzeigen. Als besonders her­ausragendes Er­gebnis muss man die wohl wertvollste Mar­ke Indiens nennen. Es handelte sich zweifelsohne um das schönste und am besten erhaltene Exemplar der 4 Anna von 1854 mit kopfstehendem Mittel­stück, der sogenannten "Inverted Head". Sie war mit 150 000 Euro angesetzt und wurde von zwei Bietern auf 185 000 Euro gesteigert. Dies bedeutet, dass der neue Besitzer bereit war, inklusive Aufgeld ca. 220 000 Euro anzulegen. Damit ist diese Marke nicht nur die "Nummer 1" Indiens, sondern auch de­ren weitaus wertvollste Marke und rangiert damit zweifellos im Spitzenfeld der Weltraritäten.

Asien ist immer für eine Überraschung gut wie ein Unfall-Brief aus der Volks­republik China von 1954 nach Deutsch­land bewies, der auf der Flugroute Manila-Rom-London am 14. Januar in einen Flugzeugabsturz "verwickelt" war und von 60 auf 1600 Euro sprang. Das einzig bekannte Markenheftchen mit den 10-C.-Marken Annam von Franz. Indochina aus dem Jahr 1922 brachte einen Zuschlag von 10 500 Eu­ro. Ein 1856 im Heiligen Land aufgegebener Brief nach Marseille mit blauem Einzeiler "Jerusalem" und Datums­stem­pel von Jaffa/Syrien spielte 2800 (2000) Euro ein. Von 500 auf 7200 Euro schoss ein R-Brief aus 1882 von Canton nach Deutschland mit Hongkong-Frankatur. Eine rote Scinde Dawk von Indien 1852 auf Briefteil kostete 19 000 (10 000) Euro. 5000 (1500) Euro erlöste ein Brief aus Indien 1856 nach Genua via Triest, frankiert mit einem Paar der 4 Anna von 1854. "The Missing Monarch" desselben Gebietes aus 1922, die 1 Rupee König Georg V ohne Mittelstück im senkrechten, ungebrauchten Dreier­streifen mit Zierfeld und Bogenrand, kletterte von 30 000 auf 38 000 Euro. Bei 2400 (500) Euro fiel der Hammer für einen GANDHI-Satz von 1948 auf FDC. Begehrt war auch eine moderne indische Rarität aus dem Jahr 1978: Die 1 Rupie „Schubert“ mit Abart "Farbe Schwarz fehlend" (SG 907a) auf Brief wechselte für 6500 (1500) Euro den Besitzer. Die japanische Tsugitaka-Taroko 10 S. von 1941 mit Stempel Keiz­yo auf Brief nach Deutschland schoss von 100 auf 8800 Euro. Thai­lands unverausgabte 2 A. grün/rot von 1899 auf R-Brief von Korat nach Deutschland erlöste 9200 (1000) Euro.

Auch andere überseeische Gebiete konnten mithalten. Ein seltener R-Erst­flugbrief Australien–England von Perth nach Basel aus 1934 wurde für 4600 (3000) Euro mitgenommen. Ein Be­darfsflugbrief von Qubari 1943 nach Neukaledonien und weiter nach Syd­ney ging für 1350 (500) Euro. Ein un­gebrauchtes Exemplar der 1 C. von Ha­waii 1859 (Scott Nr. 12) wurde für 4300 Euro zugeschlagen. Mit 5200 Euro leicht über dem Ansatz von 5000 Euro landete eine neu entdeckte, ge­stempelte Dienstmarke zu 5 P. der 2. Lokalausgabe Neuseelands 1903. Schließ­lich verbuchte die 2 C. mit diagonalem Aufdruck "TAHITI" aus 1893 in ungebrauchter Erhaltung (Tahiti MiNr. 7) ein Resultat von 4000 (1600) Euro.

Sonderteil Türkei mit guten Ergebnissen

Im Europa-Teil stieg eine ungebrauchte 10 Kr. Steindruck gez. L 9 ¼ von Bos­nien & Herzegowina 1890 von 500 auf 1300 Euro, eine Großbritannien 1891 QV 1 Pfund grün postfrisch von 1200 auf 2100 Euro. Ein britischer "Mul­ready"-Faltbrief in Ersttagsver­wendung am 6. Mai 1840 war einem Bieter 5400 (4000) Euro wert. Eine seltene österreichische Mischfrankatur von 1858 aus 6 Kr. fahlbraun (zweimal), Maschinen­pa­pier in Type III, mit 5 Kr. Type I auf R-Brief von Catschau nach Temesvar steigerte von 1500 auf 3800 Euro. 8000 Euro erbrachte ein gestempeltes Exem­plar der 27 Parale von Rumänien 1858. Ein Blatt mit den sechs prämierten Entwürfen für Schweizer Freimarken 1901 inklusive Signaturen lief für 2700 (700) Euro.

Eine besondere Hervorhebung verdient der Sonderteil Türkei. Gärtner legte ei­nen Spezialband auf, der durch die gro­ße Kenntnis des Experten Necip To­koglu zu einem prächtigen und phil­atelistisch fundierten Nachschlage­werk gedieh. Über 350 Lose erbrachten ei­nen Gesamterlös von über einer viertel Million Euro. Sehr beachtlich war z.B. der Zuschlag von 15 000 (5000) Euro für die 1867 nicht verausgabte 25 Pia. im Viererblock.

Auch die deutsche Philatelie konnte mit guten Ergebnissen aufwarten. Der früheste, mit zweimal 6 Kreuzern von Bayern 1849 frankierte Brief der Alt­deutschen Staaten ins Ausland (nach Österreich) erzielte 25 000 Euro. Drei Exemplare des "Schwarzen Einsers" von Bayern in lackschwarzer Nuance auf Brief kosteten 20 000 Euro. Ein postfrischer, teils ungebrauchter Zeh­ner­block der 12 Kreuzer, der einen Viererblock mit breitem Wasserzeichen enthält (MiNr. 26 Y), fand für 25 000 Euro ein neues Zuhause. Ebenfalls diesen Zuschlag erreichte ein einzigartiger Telegrammumschlag, frankiert mit der bayerischen Portomarke zu 3 Kreuer schwarz. Zum Schätzpreis von 80 000 Euro wurde eine Rarität des Deutschen Reiches, ein SYKE-Provisorium mit 1 Kreu­zer kleiner Schild, an den Mann gebracht. Ein postfrisches Luxusstück der 2 ½ Groschen großer Schild kam auf 12 000 Euro. Mit 2000 (1200) Euro wurden die Marken 5 M. bis 100 M. (II. Ausgabe) der Ozeanreederei 1916 je auf Briefstücken verkauft.

Viel Luft nach oben versprachen etliche Objekte im Sammlungs-Teil, zum Bei­spiel eine nahezu komplette postfrische China-Sammlung 1949-2009, die dann auch von 30 000 auf 68 000 Euro davon zog. Eine ähnliche Kollektion, bis auf MiNr. 1 bis 4 komplett, aber ge­stempelt, wurde für 31 000 (10 000) Euro verkauft. Ein Posten mit China 1949–1964 auf ca. 135 Steckkarten stieg von 1000 auf 27 500 Euro. 18 500 Euro kostete eine Spezial­samm­lung der lithographischen Ausgaben Indiens 1854/55. Von 8000 auf 14 500 Euro sprang eine Spezialsammlung "dragons" and "cherryblossoms" Japan 1871-1876. Ein großer Samm­lungs- und Dublettenbestand Schweiz 1843-2000 wurde auf 12 500 (5000) Euro gesteigert. 58 250 (30 000) Euro brach­te ein Sammlung von ca. 230 Gold­münzen aus aller Welt. Abschlie­ßend zwei bemerkenswerte Ergebnisse von Württemberg: Samm­lung von 20 Wäh­rungs­misch­franka­turen Kreuzer/Mark 70 000 Euro und Stempelsamm­lung 1851-1875 15 000 Euro.


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