69. Jahrgang

Auktionsberichte

333. Schwanke-Auktion am 18. und 19. November: Für Stimmung ist gesorgt!


22.10.2011 | Schon seit Jahren bewährt sich das Konzept des Traditionshauses Schwan­ke, einmal im Jahr mit den "Specials" kleine und große Rari­täten zu günstigen Schätzpreisen zu offerieren. Ein voller Auk­tionssaal und viele Bieterkämpfe sorgen stets für Stimmung. Am 18. November 2011 um 17 Uhr ist es wieder so weit. Wer die "Schwanke-Specials" noch nicht live erlebt hat, sollte die Gelegenheit nutzen, einige unterhaltsame Stunden in Hamburg in familiärer Atmosphäre zu verbringen!


Für Sammler und Anleger

Österreichs "Zinn­ober­roter Merkur" ist eine der seltensten Marken Euro­pas. In gebrauchter Erhal­tung sind gar nur sieben Exem­plare be­kannt. Der Frankaturzwang für Zei­tungen wurde in Österreich kurz nach Erscheinen des zinnoberroten Merkurs aufgehoben; die noch vorhandenen Restmengen wurden vernichtet. Bis zum Jahre 1879 war man der Ansicht, es gäbe gar keine gebrauchten Stücke dieser Marke. Dann wurden in Budweis in einer Partie "Kiloware" (wie man heute sagen wür­de) neun Exemplare gefunden! Diese Briefabschnitte stammten aus Ge­schäfts­korrespondenzen eines Hop­fen­händlers, die dieser für einen Ge­schäfts­freund, der ein passionierter Brief­markensammler war, hatte ausschneiden lassen. Und wie es damals üblich war, wurde das Ausschneiden von Briefmarken durch ungeübte Hilfs­kräfte vorgenommen.
Bereits um 1900 vermuteten Österreich-Kenner, dass die wenigen be­kannt gewordenen gebrauchten zinnoberroten Merkure aus dem beschriebenen Budweis-Fund stammen. Alle Exem­plare zeigen den typischen engen Schnitt, so auch das jetzt bei Schwanke zur Versteigerung gelangende Stück. Eine wundervolle Farbfrische und klare Entwertung der Zeitungsexpedition PRAG zeichnen dieses Exemplar aus, das letztmalig im Jahre 1951 in London verkauft wurde. Es startet mit einem Schätzpreis von 40 000 Euro.

Natürlich steht eine Weltrarität wie der "Zinnoberrote Merkur" im Rampen­licht einer Auktion - aber viele andere Angebote der diesjährigen "Schwanke-Specials" verdienen ebenso Erwäh­nung.

Dazu gehört ein Investment-Bestand Deutsches Reich Flugpost- und Zep­pe­lin-Ausgaben 1924-1934 in postfrischen Bogenteilen. Stets sind es doch die gesuchten Sätze Südamerika-, Polar- und Chicago-Fahrt, die in vielen Deutschland-Sammlungen fehlen, und in tadelloser postfrischer Qualität sind auch die Flugpostausgaben 1924, 1927 und 1934 gesucht. In dem von Schwanke offerierten Posten sind alle Flugpostausgaben je 80 mal und die Zeppelin-Ausgaben jeweils 30 mal vorhanden - alles in schalterfrischen Bo­genteilen wie vor 80-90 Jahren auf der Post gekauft. In Zeiten von Schulden- und Währungskrisen ist diese Partie zugleich ein Investment in werthaltige deutsche Vorkriegsausgaben. Bei einem Katalogwert von 665 000 Euro ist dieser Bestand mit 190 000 Euro ge­schätzt.

Außerdem ist auch dieses Jahr wieder eine ganze Reihe deutscher und internationaler Ra­ritäten zu haben. So be­inhaltet z.B. Bayern einen vorzüglichen Drei­er­streifen des Schwar­zen Einsers (4000 Eu­ro), Hannover eine Bogenecke der seltenen 3 Pf (MiNr. 20, 1200 Euro), und unter Lübeck finden sich etliche rare Stücke, darunter eine MiNr. 1 mit Re­kordrändern (1500 Euro) oder eine MiNr. 2 mit zentrischem Stempel von
"Travemünde" (sie­he Abbildung oben, 2000 Euro). Diese erwähnten Stücke stammen übrigens aus dem Besitz des Baron von Schar­fen­berg, wurden sämtlich vor 1933 er­wor­ben und waren seitdem nicht mehr auf dem Markt erhältlich!

Von Lübeck gelangt außerdem ein ganz sensationeller Brief zur Auktion: Er stammt aus dem Jahre 1862 und ist mit Preußens MiNr. 16 und 18 a frankiert, wurde in Lübeck zur Post gegeben und unbeanstandet befördert und trägt den pos­talischen Vermerk "Die Marken sind noch gültig, versehentlich abgestempelt". Das ganz bemerkenswerte Unikat, das sich ehemals in der Boker-Sammlung befand, beginnt mit 10 000 Euro.
Ein Unikat aus modernerer Zeit ist sicherlich vom Deutschen Reich die Ab­art MiNr. 351 I (HUNGR1GEN, also "1" statt "I"), die, bedarfsmäßig auf einem Poststück verwendet, 1000 Euro kosten soll. Zumindest bei Schwanke kam diese seltene Abart in den letzten 30 Jahren nicht unter dem Hammer. In der modernen Deutschland-Phil­ate­lie lockt eine Postanweisung von Groß­räschen mit zwei Stück der MiNr. V34. Es ist der einzige bekannt gewordene Bedarfsbeleg mit diesem Wert (ex Döh­nel, 3000 Euro).

Internationale Philatelie ist neben dem eingangs erwähnten Österreich-Ange­bot mit vielen weiteren Stücken am Start: So soll eine einwandfreie "Dop­pelgenf" der Schweiz 10 000 Euro bringen, eines der schönsten Stücke der 15c. "Rivadavia" von Argentinien startet mit 3500 Euro, einige Raritäten der Condor-Ausgaben von Bolivien folgen, und ein Farb­fehl­druck von Ko­lumbien (MiNr. 21 F, siehe Abbildung) in Ausnahme­qua­lität ist mit 2000 Euro angesetzt. Weitere schöne Angebote aus der chancenreichen Klas­sik Südamerikas, so von Brasilien, Peru oder Venezuela, hält der Katalog ebenfalls bereit. Hohe Werte des Britischen Empires bereichern den Übersee-Teil. Eine der Legenden der Philatelie ist die "Lady McLeod" von Trinidad, eine Marke, die noch vor den „Mauritius Post Office“ erschien und von der nur knapp 40 Belege registriert sind. Die Marken wurden durch Federkreuze oder das Abreisen der oberen Markenecken entwertet. Ein solches Stück mit langem "Stammbaum" aus berühmten Samm­lungen ziert die "Schwanke-Specials" - verlangt werden dafür mindestens 4000 Euro.

"Perlen" der Hamburger Postgeschichte

Ein von der Traditionsfirma Schwanke besonders gepflegtes Gebiet ist stets die Hamburger Post- und Stadtge­schich­te. Erst kürzlich aufgetaucht ist der erste, mit einem Postwertzeichen frankierte Brief aus Hamburg. Er stammt aus dem Juni des Jahres 1840 und trägt eine "Penny black", also die erste Brief­mar­ke der Welt. Ein Hamburger Kaufmann, der an seine Frau in England schrieb, übergab diesen Brief einem Kapitän, der ihn in England mit einem dieser neuartigen Postwertzeichen "freimachte". Die englische Post beförderte dann den Beleg an seine Destination. Fast 20 Jahre, bevor in Hamburg eigene Brief­marken erschienen, gibt es hier also einen frankierten Beleg, der den wahrlich fulminanten Beginn einer "Ham­burg"-Sammlung darstellen könnte (10 000 Euro). Passend dazu wäre ein Brief vom 19. Januar 1859, das erste mit einer Hamburger Briefmarke frankierte Poststück! Er trägt eine 9 Schilling gelb und ist nach London adressiert, wo er ausweislich des Ankunftsstempels zwei Tage später ankam. Schwanke ist kein Beleg bekannt, der ein früheres Stem­peldatum aufweist (10 000 Euro).

Der große Hamburger Brand des Jahres 1842 war von geradezu apokalyptischen Ausmaßen für die Stadt. Ein sehr großer Teil der Kontorhäuser und Speicher brannte damals ab. Das Un­glück wurde zeit­genössisch dokumentiert in den Neu­ruppiner Bil­der­bögen, die ersten Photographien entstanden (ein paar Photoplatten existieren noch heute im Hambur­ger Staatsarchiv), und Hamburg bekam Hilfe aus ganz Europa und sogar aus den Vereinigten Staaten. Elias Warburg und Salamon Heine waren zu der Zeit zwei Hamburger Kaufleute und Ban­kiers, die große Vermögen spendeten und viel für den Wiederaufbau der zerstörten Stadt taten. Beide Namen sind auch noch heute über die Grenzen der Stadt hinaus bekannt.

Zwei Poststücke zeugen von der damaligen Katastrophe: Elias Warburg schrieb an seine Ge­schäftspartner, die Gebrüder Roth­schild in Paris, am 6. Mai 1842: "... dass unsere Stadt durch eine unerhörte Feuersbrunst heimgesucht worden ist" und im Postskriptum: "Die Post hat heu­te keine Briefe verteilt." Der von uns angebotene Brief wurde mangels anderer Möglichkeiten privat über die Elbe befördert und vom anderen Elb­ufer aus über das Taxis`sche Postsystem nach Paris befördert (500 Euro).

Ein weiterer Beleg aus dieser schwierigen Zeit ist eine Quittung der Un­terstüt­zungs­be­hör­de über den Betrag von 50 000 Mark Banco, ausgestellt an Salamon Hei­ne, dem Onkel des Dich­ters Heinrich Hei­ne. Diese Sum­me war zu der Zeit ein unvorstellbar gro­ßes Ver­mögen (300 Euro).

Neben all diesen er­wähnten Raritäten und postgeschichtlichen Leckerbissen halten die diesjährigen "Schwanke-Spe­cials" aber auch wieder kleine Lots und Posten sowie Ku­riosa bereit. Beispielsweise suchen zwei originale bayerische Posthörner aus den Jahren 1856 und 1866 neue Liebhaber (je 100 Euro). Erste Versuche von Mitarbeitern, auf diesen Instru­men­ten sinnvoll zu blasen, wurden dem Vernehmen nach von der Ge­schäfts­leitung unterbunden.

Einige seltene Münzen finden sich eben­falls im Angebot, darunter von Frankreich ein "Louisdor" aus dem Jah­re 1790 (800 Euro) oder ein "Sun Yat Sen"-Silberdollar aus China aus dem Jahre 1932. Die Darstellung mit drei fliegenden Vögeln symbolisierte nach Meinung der chinesischen Regie­rung den japanischen Angriff auf Chi­na, und die Prägung wurde deshalb zurückgezogen (900 Euro). Etliche Lose werden zu Gunsten der Philatelistischen Bibliothek Hamburg versteigert. Hierbei handelt sich um Ma­terial, das von einigen engagieren Philatelisten im Laufe der letzten Mo­nate zum Verkauf überstellt wurde. An­dere Lose stammen aus Versiche­rungs­schäden, z.B. vom Starkregen im Juni 2011 in Hamburg beeinträchtigte Wa­re, die nun um jeden Preis veräußert werden soll.


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Auktionskalender

DatumAuktion
25.05.2018 Gert-Müller-Auktion (Münzen, Geldscheine Schmuck)
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