69. Jahrgang

Auktionsberichte

345./346. Köhler-Auktion: 180 000 Euro für Ersttagsbrief des "Sachsen Dreiers"!


22.10.2011 | Ungeachtet der Turbulenzen an den internationalen Finanzmärkten wur­den bei der Heinrich-Köhler-Auktion Ende September in Wiesbaden Spitzenpreise für seltene Briefmarken und Briefmarkensammlungen ver­zeichnet. Dabei zeigte sich einmal mehr, dass sich Briefmarken und post­geschichtliche Philatelie weiterhin starker Nachfrage auch in Zei­ten der Weltfinanzkrise erfreuen. Der höchste Zuschlag der Auktion ging mit 180 000 Euro an einen Brief vom Erstausgabetag 1. Juli 1850 des „Sachsen Dreiers“!


Sächsische Destinationen stark nachgefragt

Bei dem Stück handelt es sich um einen der bedeutendsten Briefe Altdeutsch­lands. Nach der Gründung des Deutsch-Österreichischen-Post-Vereines (DÖPV) hatten die Deutschen Staaten und Ös­terreich für das gemeinsame Postgebiet die Ausgabe von Briefmarken in den Mitgliedsländern beschlossen. Sachsen war das einzige Land, das am Grün­dungstag des Postvereines am 1. Juli 1850 Brief­marken verausgabte. Der versteigerte Brief ist der einzige be­kannte Brief mit einem "Sachsen Drei­er" vom Ersttag der sächsischen Brief­marken und des Postvereines am 1. Juli 1850.

Weitere herausragende Ergebnisse wurden auffällig häufig bei vollständig belassenen Sammlungen erzielt. So wur­de eine Kollektion "Königreich Bay­ern" von 25 000 Euro Startpreis auf 125 000 Euro gesteigert; eine Sammlung "Königreich Sachsen" von 30 000 Euro auf 90 000 Euro. Eine Samm­lung „Briefmarken und Briefe der Alt­deut­schen Staaten“ kletterte von 100 000 auf 135 000 Euro.

Herausragende Er­gebnisse verbuchten auch Briefe aus dem Königreich Sach­sen adressiert in die ganze Welt. Zumeist Sammler aus Fernost und Amerika ersteigerten die seltenen Be­lege nach China, Ja­va, Uruguay und Peru. Eine Fünf-Far­ben-Frankatur der Ausgabe Johann
1855 nach Canton in China gelaufen realisierte 42 840 Euro (inkl. Aufgeld). Eine Kombinations­frankatur mit Wap­pen­­ausgabe 1863 und englischer 1-Schil­ling-Marke über Alexandrien nach Shanghai gelaufen lag im Ergebnis über 38 000 Euro (inkl. Aufgeld). Von
3000 auf 21 000 Eu­ro zog eine 17 Neu­groschen-Johann-Fran­katur nach Uru­guay, einer der seltensten Auslands­brie­fe dieser Ausgabe.
Bemerkenswert auch etliche Lose aus dem Hauptkatalog, z.B. ei­ne Marke des Deut­schen Reiches von 1932 mit dem Wert­eindruck "Rdf" statt „Rpf“ (Reichspfen­nig). Es handelt sich um eine der seltensten Abarten des Deut­schen Reiches, von der kaum Einheiten bekannt sind. Dieses Stück war einem Lieb­haber stolze 20 825 Euro (inkl. Aufgeld) wert.

Insgesamt wurde ein Ergebnis von fast 5 Millionen Euro (Auktionszuschlag plus Aufgeld, ohne Mehrwertsteuer) erzielt. Geschäftsführer Dieter Michelson er­klärte das überaus erfreuliche Auktions­ergebnis auch mit den Ereignissen an den Finanzmärkten der letzten Mona­te. Nachdem zahlreiche Anleger mit komplex strukturierten Kapitalanlagen erhebliche Verluste erlitten haben, wen­den sie sich nun wieder Sachwer­ten mit zusätzlichen emotionalen Wer­ten zu. Die Furcht vor zukünftiger In­flation im Euro-Raum verstärkt den Trend zur "Philatelie als konservatives Anlageobjekt mit Spaß-Faktor".


» www.heinrich-koehler.de

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