69. Jahrgang

Auktionsberichte

341./342. Köhler-Auktion: Deutsche Raritäten waren besonders gefragt!


25.10.2010 | Es waren vor allem die Raritäten der deutschen Philatelie, die auf der letzten Köhler-Auktionswoche vom 18. bis 25. September 2010 mit den spektakulärsten Ergebnissen aufwarten konnten. Nicht selten wurden die festgelegten Startpreise verdoppelt, verdreifacht oder sogar verzehnfacht. Das brachte nicht nur zufriedene Gesichter bei Einlieferern und Vertretern des Traditionshauses Köhler. Auch Käufer, die größtenteils tiefer als geplant für ihre Erwerbungen in die Tasche greifen mussten, waren glücklich. Denn viele der angebotenen Raritäten waren lange Jahre nicht mehr auf dem Markt gewesen, und so war der Drang, in den Besitz ersehnter Stücke zu kommen, entsprechend groß.


Höhepunkt Knapp-Sammlung

Den Höhepunkt bildete die von Vater und Sohn Horst & Arnim Knapp über zwei Generationen aufgebaute Samm­lung der Briefmarken des Kö­nigreiches Sachsen, die von Experten als eine der bedeutendsten Kollek­tionen des ehemaligen Königreiches aus der Zeit zwischen 1850 und 1867 beurteilt wird. Den höchsten Zuschlag verbuchte die oben abgebildete größte Kostbar­keit Sachsens, ein Brief mit vier Exemplaren – zwei senkrechte Paare als Viererblock geklebt – des "Sachsen-Drei­ers" mit 86 000 (80 000) Euro. Insgesamt 19 Positionen mit diesem Klassiker enthielt der 1. Teil der Knapp-Sammlung, dar­unter auch ein sauber und zentrisch gestempeltes waagerechtes Paar, das von 10 000 auf 26 000 Euro sprang. Gleich zum Auftakt waren 23 000 (20 000) Euro für einen einmaligen Pro­bedruck auf weißlichem Bristol-Karton fällig.

Probedrucke waren auch im weiteren Verlauf der 2 1/2 Stunden dauernden Sitzung im Nassauer Hof in Wiesbaden die Positionen, die teils kräftige Stei­gerungen verbuchten. So konnte ein Meinholdscher Probedruck in Schwarz ohne Wert­be­zeich­nung mit 1500 Eu­ro den Ansatz verfünffachen. Dem allgemeinen Trend folgend, erfreuten sich Belege großer Aufmerk­sam­keit. Ei­ne außergewöhnlich seltene Drei­far­ben-Frankatur aus den MiNr. 3 a, 5 und 6 schloss schließ­lich mit 22 000 (8000) Euro. Äußerst lebendig wurde es bei den Auslands-Desti­na­tionen, wobei häufig Telefonbieter die Nase vorn hatten. Ein Streifband der 2. Gewichtsstufe nach St. Peters­burg, frankiert mit einem Paar der MiNr. 2 IIa und einer MiNr. 11, zog von 2000 auf 11 000 Euro davon. Völlig abgehoben zeigten sich drei Briefe aus Sachsen, die zwischen 1860 und 1865 über Ägypten nach China befördert wurden. Mit 36 000 Euro die dreifache Taxe spielte eine Briefhülle von Leipzig nach Shanghai ein, auf der das sächsische Porto mit zwei Marken von Groß­bri­tannien ergänzt wurde. Ein ähnlicher Brief ab Chem­nitz nach Hongkong mit britischer Weiterfrankatur von Alexan­dria stieg von 20 000 auf 52 000 Euro. Ein voll ausfrankierter Sach­sen-Brief von Dresden nach Kanton brachte 48 000 (20 000) Euro.

"Gebotsraketen"!

Als gelungen kann man das Konzept der "Auktion der verpassten Gelegen­heiten" bezeichnen. Hier bot Heinrich Köh­ler 67 unverkauft gebliebene Lose "ex Kirchner" ohne Limit und gegen Gebot an. Angesichts der Güte des Ma­terials und des weltweiten Kunden­stam­mes konnte man ziemlich sicher sein, dass hier marktgerechte Preise er­zielt werden. Die meisten der nochmals offerierten Stücke wurden denn auch um den ursprünglichen Schätzpreis her­um zugeschlagen. Manche legten sogar noch etwas zu wie ein sehr schöner "Sachsen-Dreier" auf vollständiger Drucksache, der für 12 500 Euro einen neuen Besitzer fand. Vor einem Jahr betrug der Ausruf noch 10 000 Euro! Auktionator Dieter Michelson war trotz der Mehrarbeit durch die vielen Stei­gerungsstufen – der waagerechte ge­stempelte Viererstreifen der Oldenburg MiNr. 9 beispielsweise begann bei 820 Euro und endete bei 17 500 Euro – sichtlich zufrieden.

Im selben Sonderkatalog wurde der Aufsehen erregende Fund alter mit Briefmarken frankierter Paketbegleit-Briefe nach überseeischen Ländern aus der Zeit 1872–1874, der sogenannte Württemberger Fund aus der Samm­lung Rolf Rohlfs, präsentiert. Bei einem Gesamtausruf von 139 200 Euro wurden 223 387 Euro inklusive Aufgeld erzielt. Die bemerkenswertesten Stei­ge­rungen verzeichneten aber die als Not­maßnahmen überdruckten Brief­mar­ken aus dem von der deutschen Wehr­macht im Zweiten Weltkrieg besetzten Estland. Aus Markenmangel wurden damals die alten auf den Postämtern vorgefundenen russischen Briefmarken mit der Landesbezeichnung "Eesti Post" überdruckt.


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