68. Jahrgang

Aktuelles von der Deutschen Briefmarken-Revue

Schweiz-Raritäten schlummerten Jahrzehnte im Tresor!


06.02.2010 | Für den 1. Juni 2010 plant das Schweizer Auktionshaus Peter Rapp ein besonderes Event. Im neu gestalteten, firmeneigenen Auktionssaal und eingebettet in ein exklusives Rahmenprogramm wird im Zuge der Frühjahrsversteigerung die Ticino-Sammlung mit Alt-Schweiz-Raritäten angeboten, die seit 40 Jahren in einem Tresor schlummerten und nie öffentlich angeboten worden sind. Wie gewohnt gibt es bei Rapp außerdem gehaltvolle und unberührte Sammlungen und Nachlässe verschiedener Länder, insbesondere von Deutschland, Österreich und USA.


Sammler scheute die Öffentlichkeit

„Ich bin nicht leicht zu beeindrucken. In vier Jahrzehnten Tätigkeit als Auk­tionator bekommt man schließlich mancherlei Atemberaubendes zu Ge­sicht“, gestand Peter Rapp, nachdem ihm und seiner Tochter Marianne Rapp Ohmann von den Eigentümern eine der bedeutendsten existierenden Alt-Schweiz-Sammlungen vorgelegt wur­de. „Die Sammlung Ticino aber enthält Vieles, das ich so noch nie gesehen habe. Ja sogar Einiges, von dem ich kaum glaubte, dass es noch existiert. Dies ist ein historisches Ereignis für die gesamte Philatelie. Und ‚Ticino’ ist ein Name, den man noch in Jahrzehnten zitieren wird.“

Man ist geneigt zu fragen, wie in einem so gut erforschten, dokumentierten und präsenten Sammelgebiet wie der klassischen Schweiz etwas derart Überraschenden passieren kann. „Der Samm­ler der Ticino-Kollektion ist nie in der Öffentlichkeit in Erscheinung getreten“, erläutert Ma­rianne Rapp Oh­mann. „Er hat die Spitzenstücke der Sammlung nicht auf Auktionen, sondern direkt aus den großen Samm­lungen erworben. So kaufte er zum Bei­spiel aus der berühmten Leemann-Samm­lung Weltraritäten sowie auch aus der be­rühmten Bally-Samm­lung. Die Bal-
­ly-Sammlung wurde auch nicht über eine Auktion aufgelöst, sondern wurde durch die damals legendäre Händlerin Charlotte Hassel aus Basel zum Verkauf angeboten. So erwarb der Sammler der Ticino-Kollektion be­deutende Stücke über Frau Hassel. Der Sammler er­stand die letzten Stü­cke Ende der 60er Jahre.“

Das Auktionshaus Rapp wird die Ti­cino-Sammlung in rund 400 Einzellose aufteilen, die in ei­nem luxuriösen Son­­der­ka­talog präsentiert werden. Er wird ge­spickt sein mit einer Fülle an Welt-Ra­ritäten auf Briefen, großartigen Fran­ka­tu­ren und Ein­hei­ten, darunter auch Stücke, die als verschollen galten. Etliche Stücke sind einmalig, viele wa­ren seit Jahr­zehn­ten nicht mehr oder sogar noch nie auf dem Markt.

Einige der Pre­tiosen seien beispielhaft ge­nannt:
– Zürich 4 Rap­pen und halbierte Marke von der Stadt Zürich nach Wett­schweil als korrekte Auf­brauchs-Frankatur kurz vor Einführung des eidgenössischen Tarifs am 1. Oktober 1849. Diese Fran­katur ist noch seltener als Briefe mit Paaren oder Doppelfrankaturen;
– Zürich 6 Rappen im postfrischen Fünfer- und Zehnerstreifen;
– Zürich 6 Rappen auf Brief von Illnau „frey bis Feuerthalen“ nach Opferts­hofen im Kanton Schaffhausen. Für den Weg in Schaffhausen mit 2 Kr. austaxiert. Vermutlich einzig bekannter Brief mit der Zürich 6 Rappen in einen anderen Kanton;
– Doppelgenf korrekt und verkehrt geschnitten jeweils auf Brief sowie Briefstück senkrecht verkehrt geschnitten mit zwei rechten Hälften der be­rühmten Kantonalmarke. Ein Pen­dant­stück mit zwei linken Hälften zeigt sich zudem auf einem vollständigen Brief in perfekter Erhaltung. In dem Werk von Anton Abele wurde es als „Das Prunk­stück“ aus der Lichtenstein-Sammlung beschrieben;
– Basler Taube auf Briefen, dazu ein senkrechtes ungebrauchtes Paar mit Bogenrand von der 1. Auflage. Ent­halten ist auch die 1910 von Ernst Zum­stein als erste entdeckte Misch­frankatur einer Basler Taube (Paar) mit einer Bundesmarke (Rayon I Hell­blau) auf Briefausschnitt;
– Waadt 4 Cent im Paar auf vollständigem Brief in ausgezeichneter Erhal­tung. Nur noch ein weiterer einwandfreier Brief ist bekannt;
– Waadt 5 Cent im Paar auf Brief;
– Winterthur-Briefe mit einer Ein­zel­frankatur, waagerechten und senkrechtem Paar sowie senkrechtem Drei­er­streifen als seltene 7 1/2-Rappen-Fran­katur auf Streifband nach Bülach;
– Mischfrankatur zwischen einer Win­terthur und einer Rayon II auf Nach­nahmeteil;
– Orts-Post mit und ohne Kreuzein­fassung als Viererstreifen und Vierer­block auf Briefen sowie loser gestempelter Fünferblock. Dazu gesellt sich ein Brief von Roggwil nach Solothurn mit je einer Orts-Post mit und ohne Kreuz­einfassung. Darüber hinaus ist eine Mas­senfrankatur (zwölf Stück) auf Brief nach Chur zu haben (ex Burrus). Eine der schönsten bekannten Kombina­tionen dieser Art, eine Orts-Post mit Kreuz­einfassung und ein Drei­erstreifen der Poste Locale, befindet sich auf ei­nem Brief von Zofingen nach Neu­châtel;
– Poste Locale im Viererstreifen auf Aus­landsbrief von Locarno nach Mo­de­na/ Italien;
– Mischfrankaturen der Poste Locale mit Rayon I und II auf Briefen;
– Gestempeltes Exemplar der Rayon I Hellblau mit vollständiger Kreuzein­fas­sung – es handelt sich um die seltenstes Schweiz-Marke;
– Rayon I Dunkelblau auf Brief von Frau­enfeld vom 30. September 1850 – ein seltener Ersttagsbrief;
– Rayon II im imposanten ungebrauchten Blockstück von 18 Marken;
– Rayon-Großfrankatur von Lausanne über Alexandrien mit 1 s. Barfrankatur und ab dort weiter nach Bombay in Indien – eine der bedeutendsten Überseebriefe mit Rayons;
– Mischfrankaturen von Rayon I bzw. Rayon II mit Frankreich bzw. Baden auf Briefen.

Die Ticino-Sammlung wird mit einem weiteren hochwertigen Altschweizan­ge­bot im Einzellos- und im Samm­lungs­bereich ergänzt.

Weiter ausgebautes Münzangebot

Zu den Schwerpunkten bei Rapp gehören seit jeher gehaltvolle und unberührte Sammlungen und Nachlässe verschiedener Länder, insbesondere von Deutschland, Österreich und den USA. „Darunter sind einige auf Ausstel­lungen mit Gold oder Großgold ausgezeichnete Exponate“, ergänzt Marian­ne Rapp Ohmann. „An dieser Stelle kann als herausragendes Objekt auch die Sammlung ‚Schloss Neersen’ ge­nannt werden. Es handelt sich um eine Europa-Sammlung mit Schwerpunkt Deutschland, welche fast alle klassischen Ausgaben aller Sammelgebiete Europas in erstklassiger Qualität enthält. Eine der besten Europa-Samm­lun­gen, welche über das Auktionshaus Rapp in den vergangenen 40 Jahren angeboten wurde (sie wird ebenfalls geschlossen angeboten). Auch diese Sammlung wurde jahrzehntelang un­berührt über verschiedene Genera­tionen hinweg aufbewahrt.“

Durch die Zusammenarbeit mit dem Münzexperten Christian Winterstein, der über Jahrzehnte hinweg die numismatische Abteilung einer Schweizer Großbank geleitet hat, konnte das Mün­zenangebot weiterhin ausgebaut werden. So kommen Dutzende gehaltvoller Münzsammlungen im fünf- bis sechsstelligen Bereich unter den Ham­mer.


Bildbeschreibung: Zürich 4 Rappen der Type III und senkrecht halbierte Zürich 4 Rappen der Type IV zusammen auf vollständigem und prachtvollem Kantonsbrief mit Aufgabestempel ZÜRICH 25 SEPT 1849 an das Gemeindeammannamt in Wettschweil. Von dieser äußerst seltenen Aufbrauchfrankatur zu 6 Rap­pen, kurz vor Einführung der eidgenössischen Tarife am 1. Oktober 1849, sind nur drei Belege bekannt (Schätzpreis 100-150 000 Franken).

» www.rapp-auktionen.ch

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