68. Jahrgang

Auktionsberichte

32. Gärtner-Auktion: Bieterschlacht um unbekannte Zuleitung zum BALBO-Flug


28.11.2015 | Eine riesige Zahl von annähernd 40 000 Losen, dargeboten in elf Katal­ogbänden, suchte auf der 32. Gärtner-Auktion ein neues Zuhause. Sie startete mit der Philatelie und Numismatik vom 19. bis 24. Oktober; den Schlusspunkt setzte eine Sonderauktion "Banknoten" am 27. Oktober. Das vielverprechende Material von mehr als 1300 Einlieferern aus aller Welt mobilisierte über 4000 Bieter. Entsprechend turbulent, lebhaft und ausdauernd wurden viele Lose beboten - mit einer Reihe von bemerkenswerten, interessanten und ungewöhnlichen Zuschlägen. Am Ende stand ein Gesamtergebnis von über 8,7 Millionen Euro (inklusive Auf­geld) vor Beginn des Nachverkaufs.


Weltweite Postgeschichte

Einer der Sonderkataloge war wieder einmal den asiatischen Sammelge­bieten gewidmet. Mit der guten Pro­venienz Robson Lowe kam eine gebrauchte, rote Scinde Dawk von Indien als kleines Briefstück daher. Mit 5000 Euro taxiert, sprang sie auf 13 500 Euro. Ebenfalls begehrt war eine blaue Scinde Dawk, entwertet mit rotem Punktstempel. Das Stück zog von 2000 auf 6600 Euro. Zu den Seltenheiten der asiatischen Philatelie gehören Verwen­dungen von Freimarken des Straits Sett­lement in Bangkok. Gärtner konnte einen kleinformatigen Brief anbieten, der 1891 mit der Straits Settlement MiNr. 13 frankiert von Bangkok über Singapur nach Paris lief. Der Umschlag war einem Bieter 21 500 (20 000) Euro wert.

Einen gewaltigen Sprung machte ein dekorativer Brief vom BALBO-Flug 1933 nach Chicago, zugeleitet aus San Marino. Der Einschreibebrief - postlagernd nach Reykjavik adressiert - trägt auf der Rückseite zahlreiche Bahn­poststempel aus Nord­italien, aber auch die beiden Flugbestätigungs­stem­pel "Cro­ciera Aerea Del Dece­nale" und den An­kunfts­stempel aus Rey­kja­vik. Wäh­rend Zuleitungen aus den Kolonien, aus Rhodos und aus dem Vatikan zu diesem Flug literaturbekannt sind, ist dieser San-Marino-Brief ein nahezu li­teraturunbekanntes Uni­kat. Lediglich auf der Liste der in Reykjavik angekommenen Einschreiben findet sich ein Hinweis auf San Marino; ansonsten schweigt sich die Literatur über eine derartige Zulei­tung aus. So überraschte es kaum, dass ein heftiger Bieterstreit entbrannte, der den einmaligen Flug­postbrief von 6000 auf 29 000 Euro schraubte!

Aufmerksamkeit fand auch die Schwei­zer Klassik, auch wenn eine Doppelgenf mit 28 000 Euro knapp unter der Taxe landete. Es handelte sich um eine außergewöhnlich frische Marke in tiefer Nuance des Schwarz­drucks, ideal sauber und zentrisch entwertet mit roter Genfer Rosette so­wie nebengesetzt "GENEVE 24 MARS 44", auf Brief mit vollständigem In­halt von Ma­lagnou nach Meyrin. Eine saubere und farbfrische "Waadt 4" der schweizerischen Bun­despost präsentierte sich auf einem voll­ständigen, kleinen Ortsfaltbrief, adressiert an Monsieur Chau­vet, Cour de St. Pierre, Genève, entwertet mit roter Ro­sette No. 5, daneben roter Aufga­be­stempel "GENEVE 8 JANV 50 101/2M". Der Brief wech­selte für 18 000 (10 000) Euro den Besitzer.

In dem umfangreichen Deutschland-An­gebot befand sich u.a. das sog. "Sto­ckach-Provisorium" von Baden. Eine unbekannte Anzahl ungezähnter Bo­gen der 3 Kreuzer rosa ist seinerzeit nach Stockach ausgeliefert und am Post­schal­ter verkauft worden; bisher sind ca. 23 Provisorien bekannt geworden. Das of­ferierte Stück, das den Zwei­kreis­stem­pel "STOCKACH 28. DEZ" trägt und seit 1935 registriert ist, ging zum Ausruf von 15 000 Euro in neue Hände. Nur ganz wenige Briefe ohne Zusatzfran­ka­tur sind von der gezähnten 9-Schilling-Marke Ham­burgs bekannt. Bei Gärtner zu haben war ein senkrechtes Paar auf Falthülle eines Briefes der 3. Ge­wichts­stufe aus 1864 nach New York mit Ver­merk "per Borussia", das mit 18 000 Eu­ro Zuschlag allerdings unter dem ge­forderten Ansatz blieb.

Prächtig entwickelten sich hingegen zahlreiche Sammlungen. Eine Canada-Sammlung 1851-1950 in unterschiedlicher Erhaltung sprang von 5000 auf 19 500 Euro, eine FDC-Sammlung der VR China 1957-1968 von 14 000 auf 28 500 Euro. Einen Zuschlag von 30 500 (20 000) Euro verbuchte eine Kollek­tion United-States-Aerogramme 1946-1999 (ex Kasper). Eine Kollektion mit Briefen und Karten der Deutschen Feld­post 1937-45 kletterte von 11 000 auf 22 500 Euro, eine Briefe-Sammlung Ber­lin-Schwarzaufdrucke 1948/49 landete bei 86 000 (75 000) Euro.
Auch Münzen und Banknoten wurden gut beboten.


Bildbeschreibung: Schoss von 6000 auf 29 000 Euro: Zuleitung aus San Marino zum BALBO-Flug 1933 nach Chicago.

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