68. Jahrgang

Auktionsberichte

Frühjahrs-Großauktion mit bemerkenswerten Resultaten


30.03.2011 | BIETIGHEIM-BISSINGEN Gut und erfolgreich war die letzte Großauktion von Christoph Gärtner mit einem Gesamt­um­satz von 7,35 Millionen Euro (vor Steu­ern, ohne Nachverkauf). Der gute internationale Ruf des Firmeninhabers bewog mehr als 700 Einlieferer, ihm ihre Ware anzuvertrauen.


Der Umfang war so gewaltig, dass rund 25 000 Lose in sieben Katalogen präsentiert wurden. Neben zwei Spezialkata­lo­gen In­dien und Asien waren es die vier bekannten Standardkataloge und ein weiterer Band "Raritäten", der großen Anklang fand und für einen Umsatz von 2,5 Millio­nen Euro (vor Steuern) sorgte.

Die Marktlage insgesamt kann man als stabil bezeichnen, sofern man eben ein breit gefächertes Angebot aus aller Welt offeriert. Zwar zeigte sich einerseits der leichte, aber stetige Preisverfall von Standardware, vor allem für Marken aus Westeuropa, dem ge­genüber steht aber der anhaltende Auf­schwung in Asien (auch wenn Japan mo­mentan ganz andere Sorgen hat). China gibt dabei nach wie vor den Ton an. Das Interesse an Marken und Philatelie aus In­dien wächst aber fast noch schneller. Hier ist aber das Preisniveau noch relativ niedrig, wird sich in den nächsten Jahren aber mit Sicherheit nach oben hin entwickeln. Die­sen Trend hatte Christoph Gärtner schon vor Jahren erwartet und sich als Asien- und Überseespezialist positioniert. Und so konnte er auch in dieser Auktion herrliche Samm­lungen, Spitzenstücke und Weltraritäten aus aller Welt offerieren und diese zu teils phänomenalen Preisen versteigern. Die folgenden Beispiele zeigen einige wenige, aber bemerkenswerte Resultate.

Indiens 4 Anna von 1854 mit kopfstehendem Mittelstück ("Inverted Head") zählt sicher zu den Weltraritäten, und gleich zwei gebrauchte Exemplare wurden erstmals in einer Auktion versteigert. Die neuen Besitzer zahlten inklusive Aufgeld für das eine Exemplar ca. 166 000 Euro und für das zwei­te mehr als 140 000 Euro. Aber auch das "moderne", unabhängige Indien hielt Überraschungen parat. So löste eine "Rotes Kreuz"-Marke von 1963, bei der eben die Farbe Rot selbst fehlt und von der so nur ganz wenige Exemplare bekannt sind, ein wahres Bieterfeuerwerk aus, was zu einer Stei­gerung von 1500 auf 30 000 Euro führte (Katalogwert bei Stanley Gibbons: 5000 Pfund!). Als Beispiel für das hohe Preis­niveau bei China sei nur ein kompletter Bo­gen der Mao-Marke zu 8 F. von 1968 ge­nannt, der bei einem MICHEL-Wert von 2750 Euro mit 1500 Euro angesetzt und bis auf 18 000 Euro hochgesteigert wurde.

Allgemein werden international immer stärker Besonderheiten, Raritäten und philatelistisch-historisch aussagekräftige Belege gesucht. Ob es der früheste „Wells Fargo“-Brief, befördert mit Virginia City Pony Ex­press, vom 17.VIII.1862 war (Zuschlag 11 000 Euro), der früheste frankierte Brief aus Belgien, der 1840 mit einer "Black Pen­ny" teilbezahlt nach Guernsey lief (Zuschlag 12 000 Euro), oder ein Luxusbrief mit "Bas­ler Taube" war, für den ein Bieter letztlich über 16 000 Euro inklusive Aufgeld zahlte.

Aus dem Bereich Deutschland sind einige besondere Stücke hervorzuheben. Dazu gehört einer der schönsten Briefe mit Bay­erns "Schwarzem Einser" überhaupt, einem Bischofsbrief von 1849, der einem Sammler über 83 000 Euro inklusive Aufgeld wert war. Ein Briefpaar aus dem Postgebiet Thurn & Taxis, das 1866/67 nach Japan geschickt wurde, brachte 20 000 Euro. Für stolze 39 000 Euro wurde ein Wertbegleitbrief von 1872 aus dem Deutschen Reich nach Chi­cago versteigert, der u.a. mit 72 Exem­plaren der 5 Gr. (darunter ein 48er-Block) frankiert wurde. Für das "Vineta"-Proviso­rium auf FDC wurden 9200 (6000) Euro ge­boten.

Schließlich sei von den Einzellosen noch ein ganz besonderer autographischer Brief aufgeführt. Johann Wolf­gang von Goethe schrieb ihn 1810 aus Carlsbad an die Baronesse von Ey­benberg. Er kehrt nun für ca. 6000 in seine Heimatstadt Frankfurt zurück.

Die Sammlungen, Partien und ganze Nach­lässe waren für die zahlreichen in- und ausländischen Händler, Sammler und Investoren von besonderem Interesse. Eine Vielzahl von Bieterduellen ließ sich beobachten. Im Besonderen galt dies z.B. für eine Sammlung China (1949-88), die bei einem Katalogwert von ca. 26 000 Euro von 15 000 bis auf 45 000 Euro kletterte. Auch der Bereich Thematik stieß immer wieder auf Interesse. Ganz un­gewöhnlich war eine Ausstellungssamm­lung der "Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl", die einen Zuschlag 11 000 Euro erlöste. Im be­sonderen Fokus stan­den natürlich die Deutschland-Kollek­tionen. So war einem Bie­ter ein komplett belassener Deutschland­nachlass (MICHEL ca. 600 000 Euro) mehr als 164 000 Euro inklusive Aufgeld wert, und eine große Badensammlung wechselte für ca. 107 000 Euro den Besitzer.


Bildbeschreibung: Steigerte von 7000 auf 12 000 Euro: un­gebrauchtes Pracht­stück ohne Gummi der Deutschen Post in China MiNr. 13.

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