68. Jahrgang

Auktionsberichte

Die "Bernstein"-Sammlung bei Schwanke: "Das Gold des Nordens"


29.04.2011 | Am 14. Mai versteigert das Hamburger Traditionshaus Schwanke die "Bernstein"-Sammlung mit den drei altdeutschen Gebieten "Hamburg", "Lübeck" und "Oldenburg". Über Jahrzehnte zusammengetragen, bieten die über 800 Lose eine Fülle an Marken, Abstempelungen und Belegen. Vor allem "Oldenburg" ist in einer Breite vertreten, die ohne Vergleiche in der Vergangenheit ist.


Anspruchsvolle Gebiete

Die drei norddeutschen Gebiete "Ham­burg", "Lübeck" und "Olden­burg" ge­hören seit jeher zu den an­spruchs­volls­ten Sammelgebieten der altdeutschen Staaten. Anspruchsvoll aus zwei Grün­den: Da ist zum einen die Frage der Qualität. Insbesondere Material von Lübeck und Oldenburg ist in Bezug auf die Papierbeschaffenheit äußerst empfindlich, die Schnittqualität bei den ersten Lübeckmarken lässt oft Wünsche offen, und zudem ist auch die Güte der abgeschlagenen Entwertungen nicht mit der mancher Orte großer Flä­chenstaaten wie z.B. von Bayern, Preu­ßen oder Thurn & Taxis vergleichbar, wo es ja richtige "Schönstempler"-Ver­wendungsorte gab. Die Stücke aus der "Bernstein"-Sammlung werden höchsten Qualitätsstandards gerecht.

Anspruchsvoll sind diese drei Gebiete auch deshalb, weil es generell wenig Briefmaterial, insbesondere der besseren Ausgaben, gibt und dies folglich nur mit einigem finanziellen Aufwand zu beschaffen ist. Auch in diesem Punkt lässt die "Bernstein"-Sammlung keine Wünsche offen. Sämtliche Ausgaben sind meist mehrfach auf Belegen vorhanden. Es sind allergrößte Seltenhei­ten enthalten, die oftmals seit einem halben Jahrhundert nicht mehr auf dem Markt waren.

Hamburg ist mit "nur" 91 Losen das kleinste Angebot, bedingt durch die Tatsache, dass von diesem Sam­mel­ge­biet schon vor einigen Jahren ein Teil veräußert wurde. Dennoch sind alle Spitzenstücke in ausgesucht schöner Qualität vertreten. Hervorzuheben sind die drei "9 Schil­ling-Frankaturen": die geschnittene Marke (MiNr. 7) als Einzelfrankatur nach Lon­don mit dem frühesten bekannt gewordenen Da­tum "19. Januar 1859" (12 000 Euro), desgleichen als waagerechtes Paar auf Brief vom Februar 1859 nach New York (9500 Eu­ro) und zwei gezähnte Exem­plare (MiNr. 18) zu­sammen mit der MiNr. 11 auf Westindien-Brief nach Maracaibo (15 000 Euro).

Lübeck, mit 182 Positionen grandios besetzt, enthält einige allererste Selten­heiten. Ein Brief mit der MiNr. 1 und zwei Exemplaren der MiNr. 2 nach Wismar zierte die Sammlung von Mau­rice Burrus und wurde letztmalig bei Grobe im Jah­re 1965 versteigert (3500 Euro). Eine der höchsten Frankaturen der geschnittenen Ausgaben, nämlich eine 12-Schilling-Frankatur aus dreimal MiNr. 5 nach Leipzig, startet mit einem Schätzpreis von 2000 Euro. Ein Paar der MiNr. 7 mit allseitigen "Auto­bahn­rändern" auf Brief nach Hamburg kostet wenigstens 3000 Euro.

Neunzig Prozent der auf dem Markt angebotenen Exemplare des prominenten Fehldrucks "ZWEIEINHALB" (MiNr. 3 F) in gestempelter Erhaltung sind fehlerhaft oder repariert. Die "Bern­stein"-Sammlung wartet mit gleich zwei völlig fehlerfreien Stücken auf (je­weils 3000 Euro).
Weitere Highlights sind u.a. eine phantastische Dreifarbenfrankatur aus den MiNr. 8, 9 und zweimal 13 auf In­seratenrechnung (1500 Euro) und eine Postanweisung nach Kiel mit einem Paar der MiNr. 14 (2000 Euro).

Eine bisher unbekannte Weltseltenheit stellt ein Viererstreifen der MiNr. 9 B dar, der - mit Zusatzfrankatur auf ei­nem Brief in die Schweiz - mindestens 10 000 Euro einspielen soll. Dieser Vie­rerstreifen ist die größte bekannte Einheit dieser Marke; selbst in der le­gendären Sammlung von John Boker war nicht einmal ein Paar enthalten!

Traumhafte Recobriefe

Oldenburg ist mit 543 Losen sicherlich als in jeder Beziehung sensationell zu bezeichnen. Eine solch breite Offerte dieses Sammelgebietes hat es bisher noch nie gegeben. Einige ausgewählte Stücke seien stellvertretend genannt: MiNr. 1 im überrandigen Dreierstreifen auf Brief (8000 Euro), MiNr. 5 als Ein­zelfrankatur auf Drucksache (5000 Euro), MiNr. 8 - die 3 Groschen-Marke der 2. Ausgabe - als Unterrandpaar auf Luxusbrief nach Frankfurt (letzter Auk­tionsauftritt bei Ebel/Frankfurt im De­zember 1958, 8000 Euro), MiNr. 9 - der kleinste Wert der 3. Ausgabe - im Paar auf dem sogenannten "Roth­schild"-Brief (5000 Euro), MiNr. 10 a im breitrandigen Dreierstreifen auf Brief von "Apen", der vielleicht schönste Brief mit dieser Marke (10 000 Euro), und ein Recobrief mit zwei Exemplaren der MiNr. 13 nach Aurich. Recobriefe von Oldenburg sind generell Raritäten; dieser Brief ist erst der zweite bekannt gewordene Beleg mit dieser Frankatur und wird mit 5000 Euro ausgerufen.

Eine ganze "Abteilung" bilden oldenburgische Überseebriefe. Neben einer Dreifarbenfrankatur der letzten Aus­ga­be von "Brake" nach San Francisco (1500 Euro) finden sich allein neun Brie­fe aus der berühmten "Sander"-Korrespondenz von Wildeshausen nach Galona im Bundesstaat Illinois in den USA. Alle diese Briefe sind mit der durchstochenen Ausgabe frankiert, dar­unter einige aus den letzten Mo­naten der Oldenburgischen Post mit Marken mit weitem Durchstich "10", dabei auch einer von zwei bekannten Recobriefen (4000 Euro).
Ganzsachenausschnitte durften eigentlich nicht als Marken verwendet werden. Dementsprechend wenige sind überhaupt bekannt geworden, nämlich im Ganzen nur fünf! Das vielleicht schönste Stück, ein Ausschnitt zu 3 Gro­schen auf Brief nach München, kann als Pro­venienz ebenfalls die "Burrus"-Samm­lung vorweisen (10 000 Euro).

Den Ganzsachen Oldenburgs ist ein weiteres Kapitel gewidmet. Das "große Format" ist immer selten, eine Rarität ist die MiNr. U 1B. Von dieser Ganz­sache ist bisher noch kein gebrauchtes Exemplar aufgetaucht, und auch von den ungebrauchten Stücken gibt es nur eine Handvoll. Ein fast aktenfrisches Stück in der "Bernstein"-Sammlung soll 1500 Euro bringen. Ein weiteres "Traumstück" ist eine Ganz­sache MiNr. U 1A mit Zusatz­fran­katur der MiNr. 11 und 12, nach Ham­burg St. Pauli adressiert. Dieses Stück wurde einst vom Raritätenhändler Fer­nand Fontanez in Genf erworben und nach Einschätzung der Firma Schwanke noch nie auf einer Auktion angeboten. Der Startpreis von 3000 Euro lässt deutlichen Spielraum nach oben.

Eine "Königsdisziplin" sind Oldenburgs Abstempelungen! Von "Abbehausen" bis "Zwischenahn" sind wohl alle ol­denburgischen Postorte mit insgesamt 150 Losen vertreten, und neben den Poststempeln finden sich die ebenso seltenen - oftmals handschriftlichen - Postablagen. Prominente Stücke sind z.B. der Taxstempel "2 2/5" von "Ab­behausen" (180 Euro), der Delmen­hors­ter "Häuschenstempel" (gleich drei­mal, ab 100 Euro), die Postablage "Fedderwarden" mehrfach u.a. auf Pa­ketbegleitbrief (250 Euro), der blaue Doppelkreisstempel von "Hude" auf Luxusbrief (3000 Euro), die Post­ablage­stempel von "Kleinensiel" (750 Euro) oder "Sengwarden" (1000 Euro) sowie last but not least der Rahmenstempel mit runden Ecken von "Zetel". Hiervon sind überhaupt nur zwei Abschläge be­kannt (500 Euro).

Der Vorbericht dürfte genug Appetit gemacht haben, um den Sonder­ka­ta­log Los für Los zu studieren.


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