69. Jahrgang

Auktionsberichte

"Schwanke-Specials" am 18. November: "Ganz schön eng hier!"


22.12.2011 | Mit diesem Ausspruch - halb anerkennend, halb hilfesuchend - bahnte sich ein alter Auktionsprofi den Weg, um schließlich auf einem der seitlich aufgestellten Stühle noch einen Platz zu ergattern. Es war voll im hauseigenen Auktionssaal, als Hans-Joachim Schwanke routiniert und humorvoll zwei Stunden lang die jährlichen "Schwanke-Specials" verstei­gerte, große und kleine Raritäten, die durchweg günstig angesetzt waren und nicht selten für nette Steigerungen sorgten.


Perlen der Hamburger Postgeschichte

Das erste Mal aufhorchen konnten die Anwesenden, als 22 Lose im Auftrag einer Versicherung verkauft werden sollten. Darunter war ein senkrechter, breitrandig geschnittener Dreierstreifen des "Schwarzen Einsers" von Bayern mit klarem Nummernstempel "14" von Aschaffenburg, der mit 4000 Euro startete und schließlich bei 6800 Euro landete. Keines der Lose aus diesem gemischten Bestand blieb übrigens liegen. Gleiches galt auch für die folgenden kleinen Partien aus Marken und Belegen deutscher und ausländischer Sammelgebiete.
Mit "My dear Susel" beginnt ein längerer Brief, den Henry Carew Hunt in Hamburg am 9. Juni 1840 an seine Frau in England schrieb. Hunt war englischer Kaufmann, der zur damaligen Zeit Firmen in England und Hamburg besaß. Gesandt wurde der Brief "per forwarder" nach England, dort mit ei­ner "Penny Black" freigemacht und am 12. Juni 1840 an seine Empfängerin in Ledbury in der Grafschaft Devon ge­schickt. Die erste Briefmarke der Welt, eben jene "Penny Black", war zu diesem Zeitpunkt ge­rade vier Wochen alt. Dass der erste mit einem Post­wertzeichen frankierte Brief aus Ham­burg philatelie-historische Bedeu­tung hat, zeigte schon der Ausruf von 10 000 Euro. Mit 12 500 Euro setzte sich ein Bieter aus Groß­britannien durch.

Schwanke konnte noch ein weiteres Glanzstück der Ham­burger Philatelie an­bieten: die früheste bekannte Ver­wendung der geschnittenen 9-Schil­ling-Marke vom 19. Januar 1859! Der wundervolle Brief aus der berühmten "Berkefeld"-Korrespondenz, der sich u.a. in der Boker-Sammlung befand, erreichte seinen Zielort London am 21. Januar. Der Hammer fiel bei 11 000 (10 000) Euro.

Leider nicht ganz so leidenschaftlich zeigten die Interessenten manchmal bei Lübeck, obwohl die Stücke durchweg seit über 70 Jahren nicht mehr auf dem Markt waren. Ein außergewöhnliches Exemplar der MiNr. 1 mit Strich­stempel sprang von 1500 auf 2700 Euro. Eine MiNr. 5 a mit Plattenfehler als Einzelfrankatur auf Brief, ein eindrucksvolles Unikat, wechselte für 3600 (2000) Euro den Besitzer. Von 1800 auf 3100 Euro stieg eine Einzelfrankatur der MiNr. 4. Mit einem Briefstück mit einem waagerechten Paar der MiNr. 6 und einer MiNr. 7 und der Verwendung zweier preußischer Freimarken auf ei­nem Brief aus dem Stadtpostamt Lü­beck blieben aber auch zwei Topstücke fürs erste liegen. Stark umkämpft war hingegen ein Preußen-Brief nach Lon­don mit den MiNr. 7 und 8. Sechs Ge­bote waren schon am Tisch; der Zu­schlag erfolgte bei 1600 (500) Euro.

Tolle belgische Klassiker

Eine "irre" Destination lag beim Deut­schen Reich auf dem Tablett: von Kö­nigslutter auf die Oster-Insel. Der Brief war in den Jahren 1902/03 17 Mo­nate unterwegs, ehe er wieder in Deutsch­land eintraf, weil der Empfän­ger nicht zu ermitteln war. 300 (100) Euro für das eindrucksvolle Schaustück sind sicher gut angelegt. Begehrt waren auch Probedrucke aus dem Dritten Reich, besonders zu den Hitler-Frei­mar­kenausgaben. Ein schwarzbrauner Ein­zelabzug auf ungummiertem, gelblichem Papier kletterte von 350 auf 600 Euro, ein rötlichbrauner Probe­druck (siehe oben) von 350 auf 620 Euro.

Ganz "harmlos" schienen vier belgische Bogenecken der "DIX CENTS Médaillon" jeweils mit Jahreszahl zwischen 1854 und 1862 auf dem Bogen­rand zu sein. Das Emsemble, dass of­fenbar viele Jahr­zehnte nicht auf dem Markt war, hatte es aber in sich. Es startete mit 500 Euro, und nach den ersten Steigerungsstufen dachten viele, dass bald Schluss ist. Stattdessen entwickelte sich ein munteres Treiben, dem der Auktionshammer erst bei sensationellen 11 000 Euro ein Ende setzte!

Das Glanzstück der "Schwanke Spe­cials" war eine der seltensten Marken Europas, ein österreichischer "Zinn­ober­roter Merkur" in gestempelter Er­haltung. Eine wundervolle Farbfrische und eine klare Entwertung zeichneten das bei Schwanke angebotene Stück aus, das letztmalig 1951 in London verkauft wurde. Mit 40 000 Euro angesetzt, entwickelte sich ein engagierter Bieterstreit, der bei respektablen 68 000 Euro aufhörte.
14 000 (10 000) Euro, dies sei als letztes herausragendes Ergebnis genannt, erzielte eine gestempelte "Doppel­genf" mit sauberer roter Rosette.


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