70. Jahrgang

Auktionsberichte

44. Gärtner-Auktion: Sehr frühe Verwendung des „Schwarzen Einsers“


24.05.2019 | Ein vielfältiges Angebot an Philatelie, Banknoten und Münzen aus aller Welt erwartet die Interessenten auf der 44. Gärtner-Auktion am Stamm­sitz in Bietigheim-Bissingen, die wieder zweigeteilt ist: Am 5. und 6. Juni kommen Banknoten und Münzen unter den Hammer, vom 24. bis 28. Juni stehen Briefmarken, postgeschichtliche Belege, Ansichtskarten und Sammlungen im Fokus. Bei insgesamt 13 Katalogen gibt es wieder viele Angebote zu studieren.


Raritäten deutscher Gebiete

Der philatelistische Teil startet am 24. Juni mit der Sonderauktion China, zu der wieder ein Sonderkatalog aufgelegt wurde. Besonders erwähnenswert sind hier komplette postfrische und gestempelte Bogen "Roter Affe" von 1980 so­wie die Abteilung "Liberated Areas".
Die Sektionen Asien, Übersee, Europa und Deutschland, die ab 25. Juni offeriert werden, zeigen viele seltene, un­gewöhnliche, kleine wie große Einzel­lose sowie Sammlungen und dürften kaum Wünsche offen lassen. Gerade Ar­gentinien ist außergewöhnlich gut bestückt, und die frühen Ausgaben u. a. mit einem 30er-Block der 10 C. von 1862 sind äußerst interessant. Zusätz­lich zu den üblichen Einzellos- und Sammlungskatalogen gibt es dieses Mal auch einen Sonderkatalog Britisch Ost- und Südafrika mit mehr als 100 Losen und einem Gesamtausruf von über 100 000 Euro.
Ein außergewöhnliches Los steht gleich zu Beginn des Deutschland-Angebotes, ein "Schwarzer Einser" mit Finger­hut­stempel "LANDAU a/I 2/11" (1849), verwendet auf württem­ber­gischer Druck­sache (Be­suchs­an­zeige) aus "Berg bei Stuttgart" nach Freyung im (Bayeri­schen) Wald. Es handelt sich um eine sehr seltene Ver­wendung der ersten bayerischen Brief­marke am zweiten Verwendungs­tag. Erst seit zehn Jahren ist ein Ersttagsbrief der ers­ten deutschen Brief­marke be­kannt, der auf der IBRA 2009 dem staunenden Publikum präsentiert wur­de. Sein Wert dürfte weit im sechsstelligen Bereich liegen. Für weitere Erst­tags­briefe werden vom seriösen Fachhan­del seit langem 100 000 Euro im Ankauf geboten, bislang ohne Erfolg. Bei den Boker-Ver­steigerungen wurde der 2. November 1849 als frühestes Verwendungsdatum beschrieben.

Der vorliegende Beleg ist aber auch und vor allen Dingen die früheste Ver­wendung einer mit Marken frankierten Postsache aus dem (Postvereins-) Aus­land (1849 gab es noch keinen Post­verein, und Württemberg gehörte diesem erst ab 1. September 1851 an) nach Bayern sowie innerhalb der Alt­deutschen Staaten überhaupt! Dazu wurde die Drucksache aus der württembergischen Gemeinde Berg bei Stuttgart in Landau aufgegeben und nach Freyung adressiert. Solche seltenen "Forwarded" genannten Belege des "Schwarzen Einsers" von Bayern haben Dr. Helbig/Vogel in ihrem Werk über diese Marke („Schwarzer Einser“, Schwaneberger Verlag München, 1999) auf den Seiten 82 ff. erläutert und schreiben: "… es handelt sich bei solchen Stücken nicht um bloße Rand­erscheinungen der Philatelie, sie sollten vielmehr als Schlüsselbelege der frühen Markenzeit mit hohem dokumentarischen Anspruch verstanden und entsprechend bewertet werden." Die Druck­sache zählt zu den wertvollsten und pos­talisch-postgeschichtlich wichtigsten Franka­tu­ren der ersten Brief­marke von Bayern und Deutsch­land. Der Ausruf beträgt 30 000 Euro.

Mit Spitzenstücken besetzt sind auch die Deutschen Auslandspostämter und Kolonien. Vom 4. März 1886 stammt ein Beleg vom deutschen Konsulat in Apia/Samoa mit US-Briefmarke. Der Samoa-Vorläufer ist nur eine von zwei mit US-Briefmarken in Apia gestempelten Belegen (30 000 Euro). Ebenfalls zu diesem Schätzpreis ist ein Briefstück mit R-Zettel mit den Deutsch-Südwest­afrika MiNrn. I a, II und 4 zu haben. Mit 25 000 Euro ist die Deutsche Post in China MiNr. 13 S auf kleinem Briefstück angesetzt. Von den Marshall-Inseln lockt die MiNr. 12 H auf eingeschriebener Postkarte nach Leip­zig (20 000 Eu­ro). Als Paar auf Briefstück kaum an­ge­boten wird die MiNr. 10 K der französischen Besetzung Togos (18 000 Euro).

Auch die deutschen Beset­zungs­aus­gaben des Ers­ten und Zweiten Weltkrieges verdienen ein ge­naues Studium. Für die Ausga­ben Litauens mit mehr als 100 Lo­sen ist ein zu­sätz­licher Extrakt in Kata­logform vorgesehen.

Banknoten und Münzen

Besonders erwähnenswert sind z. B. Raritäten wie eine Banknote 5 Rupien 1916 aus Zanzibar, ein nicht verausgabter Entwurf der Bank von Singapur zu 5 Dollar, Malaya 50 Dollar 1942 sowie verschiedene Farbvarianten-Mus­ter aus Qatar, die einen neuen Besitzer suchen. Zu den wichtigsten deutschen Banknoten gehören sicher die Muster­noten der Reichsbank zu 5, 500 und 1000 Rentenmark 1923 und 1926 so­wie Farbkopien von Entwürfen der Reichsbank aus den 1930er und 1940er Jahren. Neben historischen Raritäten und modernen Spitzenstü­cken mit sehr geringen Auflagen aus der ganzen Welt gelangen dieses Mal auch sehr preiswert taxierte Samm­lungen und Nach­lässe (vorwiegend aus Privathaushal­ten) zur Versteigerung.


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