69. Jahrgang

Auktionsberichte

352. Schwanke-Auktion: Per Dampfer zum 5. Kontinent


29.08.2015 | Post nach Australien ist eigentlich immer die Krönung einer postgeschichtlichen Sammlung der Altdeutschen Staaten, denn "viel weiter" ging nicht. Die wenigen mit Marken frankierten Belege, die man heute kennt, sind in der Regel registriert. In den "Stammbäumen" solcher Stü­cke finden sich oftmals Namen berühmter Sammler, von Burrus über Lichtenstein bis John R. Boker. Eine Neuentdeckung hingegen kann das Hamburger Traditionshaus Schwanke auf seiner 352. Versteigerung am 28. und 29. August anbieten.


Frühe Warenprobe mit Fotos

Der Sachsen stammt nämlich aus einer Korres­pon­denz, die bisher noch nicht bekannt war und die erst kürzlich für den philatelistischen Markt "entdeckt" wurde. Empfänger war ein Hermann Wentzel, der im Auf­trag seiner Firma "Suse & Co., Ham­burg" in Australien weilte und den der Brief in Melbourne erreichte. Frankiert mit zwei Exemplaren des Höchstwertes zu 10 Neugroschen plus zwei Exem­plaren der 2-Neugroschen-Marke, lief der Brief von Dresden über Hamburg und London nach Australien. Der philatelistische Leckerbissen startet mit moderaten 1200 Euro.

Der Zufall will es, dass die Firma Schwan­­ke noch einige weitere Poststü­cke der Altdeutschen Staaten nach Australien parat hat. Diese sind zwar nicht mit Freimarken frankiert, aber gleichwohl sehr selten. Zwei Lose stellen wir hier vor:

"Photography only" hat der Absender 1866 auf einer Sendung notiert, die in Hamburg vom Thurn & Taxis’schen Postamt abgefertigt wurde und als Drucksache nach Geelong, dem Hafen von Melbourne, befördert wurde. Ein solch früher Bezug auf das neue Me­dium der "Photographie", die ja noch in den Kinderschuhen steckte, ist sehr bemerkenswert, und als Waren­probe nach Australien dürfte dieser Beleg ein Altdeutschland-Unikat darstellen. Der Beleg ist mit 1500 Euro taxiert.

Bereits 1865 ging ein Brief von Nor­burg in Schleswig-Holstein nach Ade­laide, genauer ge­sagt nach Port Ade­laide in Südaus­tra­lien. Post nach Australien, die nicht als Empfangsort "Mel­bour­ne" oder "Syd­ney" hat, ist besonders selten. Fast drei Monate war der Brief unterwegs, wie der vorderseitige Ankunftsstempel vom 13. Mai 1865 dokumentiert. (1000 Euro).

Ein kaum bekanntes Kapitel der Post­geschichte ist Schiffspost auf der Schlei. Von 1865 bis 1873 verkehrte das Dampfschiff "Prinzess Louise" auf dem kleinen Fluss. Von Schleswig bis Kap­peln wurden Passagiere und Frachten transportiert; postalische Dokumente dieser Verkehrsverbindung sind registriert. Schwanke kann gleich zwei Belege anbieten: Die kleine Gemeinde Boren bei Arnis bekam im Jahre 1873 eine neue Kirchenglocke mit Zubehör (Klöppel und Gestänge) geliefert, do­kumentiert durch den erhalten gebliebenen Frachtbrief aus Leipzig, der zwei Paketaufkleber - zu 1 und 3 Mark - der "Schlei-Dampfschiffe" trägt. Das wohl einmalige Stück ist mit 250 Euro angesetzt. Und ein weiterer Brief aus Schles­wig begleitete einen Reisesack an Pas­tor Jürgen in Kappeln, worin seine Mut­ter ihm wohl ein paar gute Sachen zu­schickte. Der Paket­aufkleber zeigt den Schiffsnamen "Prinzess Louise" (200 Eu­ro).

Neben postgeschichtlichen Stücken kommen auch viele interessante Mar­ken unter den Hammer. Zum 100. Ge­burtstag des aserbaidschanischen Schrift­stellers A. Sabir verausgabte die sowjetrussische Postverwaltung 1962 eine Sondermarke, die ein Porträt des Lite­raten zeigt. Die Inschrift war jedoch fehlerhaft ("AZERBAITSCHAYN POET SABIR" statt "AZERBAITSCHAN POET SABIR"). Die Marke wurde sofort vom Verkauf zurückgezogen und durch eine Ausgabe mit der korrigierten Inschrift ersetzt. Nur 250 Exemplare entgingen der Vernichtung. Ein postfrischer Eckrandviererblock der MiNr. 2625 I geht mit 5000 Euro ins Rennen.

SBZ-Spezial: Sammlung Fürstenhagen

Die SBZ-Sammlung "Fürstenhagen" umfasst ca. 180 Lose und bildet einen besonderen Schwerpunkt des deutschen Nachkriegsangebotes der 352. Schwanke-Auktion. Alle guten Stan­dardwerte sind vorhanden, aber den besonderen Reiz machen die vielen Be­sonderheiten aus, die natürlich alle mit aktuellen Fotoattesten der zuständigen Prüfexperten versehen sind. Eine Aus­wahl der offerierten Seltenheiten: Mi­Nr. 7 A a wa x, 30 Pf Eiche auf Papier "wa" mit glatter Gummierung (700 Euro); MiNr. 37 z c, 15 Pf mittelgelbbraun auf Papier z (600 Euro); MiNr. 47 Fb, 15 Pf lebhaftgelbocker mit Post­meistertrennung Klotzsche (900 Euro); MiNr. 45 M Uo, 10 Pf Ziffer mit Post­meisterdurchstich Seiffen mittels Näh­maschine (500 Euro); MiNr. 91 b W, 12 Pf lebhaftrosa auf Zigaretten­pa­pier (750 Euro); MiNr. 99 A X a r, 30 Pf olivgrau auf Papier r (600 Euro); MiNr. 129 X w U, 6 Pf Ziffer als ungezähntes Eckrandpaar (500 Euro); MiNr. 192 c P OR ndgz, 30 Pf lebhaftbräunlichkarmin mit nicht durchgezähntem Platten­oberrand (750 Euro); MiNr. 228 UL, Tag der Briefmarke links ungezähnt (300 Euro).

Die Auktion umfasst exakt 4085 Lose. Ein bedeutendes Angebot an Nach­lässen, Sammlungen, Händlerposten etc. stellen die etwa 1400 Positionen dar, die am zweiten Versteigerungstag zum Ausruf kommen.


Bildbeschreibung: Mit 100 Euro ausgerufen: postfrischer Brücken­bau-Zusammendruck mit 24 Pf mittelsiena (Mi­Nr. W Zd 2 b y).

» www.schwanke-auktionen.de

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DatumAuktion
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bis
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18.08.2018 Brief­marken­tausch
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