371. Heinrich-Köhler-Auktion: Hochwertige Philatelie weiterhin voll im Trend

29.10.2019 | „Klassische Schönheiten haben – Gott sei Dank – keine Katalogwerte, den Preis bestimmen ich und mein Gegenbieter.“ Dieses Zitat von Baron Carl von Scharfenberg wurde vom 24. bis 28. September 2019 während der traditionellen Heinrich-Köhler-Herbstauktion einige Male bestätigt. Das facettenreiche Angebot hochwertiger Philatelie und Postgeschichte von Deutschland bis Übersee war heiß begehrt und bestätigte den positiven Trend, dass außergewöhnliche Stücke außergewöhnliche Preise er­zielen. Das Programm umfasste fünf Sonderkataloge sowie einen beeindruckenden Hauptkatalog mit spannenden Sonderteilen, die die Vielfalt der philatelistischen Sammelgebiete in all ihrer Pracht dokumentierten. Bemerkenswert war erneut das hohe Bieterinteresse: Vom Auktionssaal bis zum Internet lieferten sich alle Beteiligten spannende Wettkämpfe um die wertvollen Briefmarken, Briefe und Sammlungen, die vielfach zu Spitzenpreisen verkauft werden konnten.

 

Von Bayern bis Dänisch-Westindien

Der Verkauf der einmaligen Sammlung „Königreich Sachsen“ (Teil II) von Chris­tian und Renate Springer war – wie schon der erste Teil – ein echter Hö­he­punkt. Die große Bandbreite des gebotenen Materials überzeugte die Samm­ler auf ganzer Linie, wie sich auch in den zahlreichen Bietergefechten zeigte. Ein Ganzsachenumschlag 10 Ngr. mit Zusatzfrankatur 1 Ngr. nach Riga wur­de für 22 000 Euro zugeschlagen (Los 8615 – Ausruf: 12 000 Euro), ein Brief nach Bayern mit zehn Exemplaren der 3 Pf grün steigerte auf 18 000 Euro (Los 8545 – Ausruf: 5000 Euro). Herausragend war auch der Zuschlag für ein wohl nur äußerst selten anzutreffendes Los, eine Num­mern­stempelsammlung von „1 bis 220“, die für 46 000 Euro zugeschlagen wurde (Los 8595 – Aus­ruf: 16 000 Euro).

Eine herausragende Bayern-Kollektion, ebenfalls in einem Son­derkatalog dokumentiert, war die Samm­lung „Zug­spitze“. Die­se präsentierte die klassischen Aus­gaben Bay­erns, darunter begehrte Frankaturen, seltene Destinationen, hochwertige Einzel­mar­ken und Einheiten. Auch hier war die Nachfrage gewaltig, und zahlreiche Lose wurden um ein Viel­faches gesteigert. Bestes Beispiel mag ein Brief von Fürth nach Rotterdam sein, mit Umtausch-Seg­mentstempel und Misch­frankatur der 1 Kr., 6 Kr. und 9 Kr. von 1850-1854 (Los 8211), der nach ei­nem Ausruf von 2000 Euro um das Zehn­fache auf 20 000 Euro gesteigert wurde.

Auf die sprichwörtliche Spitze trieben es die Stücke aus der „Sammlung Ba­ron Carl von Scharfenberg“, die ausnahmslos als Gebotslose ausgerufen und in ungeahnte Sphären gesteigert wurden. Die Pretiosen boten ganz offensichtlich alles, was der Altdeutsch­land-Liebhaber begehrt, und so kam es, wie viele es schon vorhergesehen hatten. Ein Briefpaar von Preußen nach Süd­aus­tralien aus dem Jahr 1855/56 wurde auf 17 000 Euro gesteigert (Los 2512), ein Ganzsachenumschlag mit Zusatz­frankatur aus Mecklenburg-Schwerin in den Kirchenstaat von 1856 wurde für 20 000 Euro verkauft (Los 2506), und ein weiterer Auslandsbrief aus Mecklen­burg-Schwerin als Ein­schrei­ben nach Ams­terdam fand für 10 000 Euro einen neu­en Besitzer.

Großartig präsentierte sich auch die Kollektion „Germania – Die Sammlung Heinz Kipping“, die sich mit dem Bei­titel „Die unendliche Geschichte“ schmück­te. Das wahrlich faszinierende Material fand ebenfalls großen Anklang, wobei vor allem die seltenen Essays und Probedrucke für Aufsehen sorgten. Den Spitzenzuschlag sicherte sich ein Essay der Ausgabe Germania 10 Pf von 1902, eine „Zwischentype“ mit Mittelstück der Reichspost-Ausgabe (Los 7047). Dieses einzig bekannte Exemplar wur­de für sensationelle 22 000 Euro zugeschlagen (Ausruf: 10 000)!

Im Bereich der internationalen Philate­lie ragte vor allem der zweite Teil des Verkaufs der Dänisch-Westindien-Samm­lung „Høgensborg“ heraus. Zahl­reiche Lose glänzten mit Spit­zenergebnissen und großartigen Stei­gerungen. So zum Beispiel ein 3er-Streifen der 3 C. mit original weißer Kopenhagener Gum­mie­rung aus Dänisch West Indien 1858 auf Brief nach Dänemark, der für 36 000 Euro Zuschlag verkauft wurde (Los 6040 – Ausruf: 10 000 Euro). Oder eine Kombinationsfrankatur der 3 c. aus dem Jahr 1856 mit einer US 10 c. auf Brief nach New York, die für 10 000 Euro in neue Hände ging (Los 6048 – Ausruf: 4000 Euro).

Zusammenfassend mag man sagen, dass die Nachfrage nach hochwertiger und seltener Philatelie in nahezu allen Bereichen und Sammelgebieten ungebrochen hoch ist. Die Bereitschaft der Bieter, egal ob im Saal, am Telefon oder Online, für ihre Lose aufs Ganze zu gehen, hängt natürlich auch zu einem entscheidenden Teil von der Gestal­tung der Ausrufpreise ab. Das Auktions­haus Heinrich Köhler setzt bei der Preis­gestaltung auf realistisch und moderat angesetzte Startpreise.

Umzug

Die Herbstauktion 2019 war für das Wiesbadener Unternehmen zugleich die letzte Auktion in den bisherigen Geschäftsräumen. Ab November ist das Auktionshaus Heinrich Köhler in der Hasengartenstraße 25 beheimatet. Der neue Firmensitz bietet großzügige Räumlichkeiten, direkte Autobahnzu­fahrt und direkte Busverbindung zum Hauptbahnhof sowie kostenlose Park­plätze. Die neue Adresse lautet: Hasen­gartenstr. 25, 65189 Wiesbaden, Tele­fon 0611/34 14 9-0, Telefax 0611/34 14 9-99, info@heinrich-koehler.de

Bildbeschreibung: Konnte mit 20 000 Euro den Ausruf verzehnfachen: Bayern-Brief von Fürth nach Rotterdam.

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